Neuer Fan der Sesshaftigkeit: David Pountney, ab 2004 Intendant von Bregenz

6. Februar 2002, 20:00
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Grau-bräunliches Sakko, blaues Hemd und ein schwarzes, bunt gepunktetes Mascherl! In der Farbzusammenstellung durchaus diskussionswürdig, aber jedenfalls nur noch dezent exzentrisch, so zeigte sich David Pountney bei seiner Präsentation als neuer Intendant der Bregenzer Festspiele. Früher, als er an der English National Opera tätig war, legte Pountney die Bekleidungssache ein wenig schriller an.

Zu Premieren erschien er schon einmal im Schottenrock und trug auch gerne grellbunte Hosenträger. Das ist allerdings nun schon ein Weilchen her, Pountney mittlerweile 55 Jahre alt und womöglich ein wenig unterwegs in Richtung Entspanntheit und Gesetztheit - sicher aber in Richtung Sesshaftigkeit.

Denn wiewohl er als Bregenzer Festspielchef seine Tätigkeit als international gefragter Regisseur (zurzeit bereitet er an der Staatsoper die Jenufa-Premiere vor und inszeniert im Sommer in Salzburg Puccinis Turandot) nicht ganz aufgeben möchte, so wird er doch an den Bodensee ziehen und mit seinem Amtsantritt 2004 auch die Phase als freischaffender Exeget von Opern beenden. Es ist anzunehmen, dass der Brite weiß, was ihn erwartet. Noch-Intendant Alfred Wopmann hat ihn einst nach Vorarlberg geholt; mittlerweile kann der Regisseur, der bekundet, Oper nicht nur einer Elite zur Verfügung stellen zu wollen, sondern allen, auf fünf Bregenzer Produktionen verweisen.

Er, der in Oxford und in Cambridge studierte, konnte die "wetterfühlige" Bregenzer Logistik auch anhand von Opern wie Der fliegende Holländer, Nabucco und Fidelio kennen lernen und publikumswirksam nutzen. Über seine Pläne wollte er bei der Präsentation noch keine Auskunft erteilen. Sicher ist, dass er auf der Seebühne nicht inszenieren wird. Sicher ist auch, dass er - wie Alfred Wopmann - an die 120 Tage im Jahr unterwegs sein soll und wird, um die internationale Szene zu beobachten.

Die Entscheidung für Pountney dürfte vor allem auch im Wunsch begründet gewesen sein, Sicherheit und Kontinuität zu garantieren. Revolutionen dürften denn auch ausbleiben. Aber man wird sehen. Er hege schon lange den Wunsch, innerhalb einer "Organisation aufbauend tätig zu sein", sagte Pountney. Und als Regisseur beharrte er bisher auf seiner Individualität und nahm auch den Unmut des Publikums gerne hin (etwa bei Rienzi an der Wiener Staatsoper).

Dennoch: Festspielpräsident Günter Rhomberg nennt Pountney einen "konzilianten Teamworker", der schon vor drei Jahren Interesse an Bregenz bekundet habe. Wie groß das Interesse war, das hat Rhomberg im Laufe der einjährigen Intendantensuche herausgefunden - und sich innerlich "schon früh" für Pountney entschieden.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 2. 2002)

Von
Ljubisa Tosic

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