Waffenaffäre verstärkt US-Druck auf Arafat

7. Februar 2002, 10:17
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Während der Palästinenserchef weiter in Ramallah festsitzt, bricht Israels Sharon nach Washington auf

Die USA haben sich längst der Überzeugung Sharons angeschlossen, wonach nur durch andauernden Druck auf Arafat und dessen internationale Isolierung ein Waffenstill- stand erzwungen werden könne, sie scheuen aber offenbar davor zurück, noch einen Schritt weiter zu gehen und die Beziehungen zu Arafat formal abzubrechen: US-Vermittler William Burns erklärte in Kairo, dass Washington weiterhin mit Arafat zusammenarbeiten wolle, weil er "der gewählte Führer des palästinensischen Volkes" sei.

Trotzdem laufen die nahostpolitischen Linien der USA und Europas nun immer deutlicher auseinander: Der französische Außenminister Hubert Védrine sagte in einem Radiointerview, es sei "ein Fehler, die von Ariel Sharon geführte Politik der reinen Unterdrückung blind zu akzeptieren".

Powell verlangt Taten statt Worte

Colin Powell setzte dagegen zuletzt vor einem US-Senatsausschuss noch einmal forsch nach: Arafat "weiß, was er tun muss, Taten sind erforderlich, nicht nur Worte". Die israelische Regierung forderte der US-Außenminister auf, das Alltagsleben der Palästinenser zu erleichtern und "eine weitere Eskalation zu vermeiden".

Vor seiner Abreise dementierte Sharon aber Gerüchte, wonach Israel von Bush ersucht worden sei, auf palästinensische Terrorakte vorläufig nicht zu reagieren: "Das gehört nicht zu den Dingen, für die wir eine Erlaubnis brauchen. Jeder weiß, dass Israel für einen echten Frieden zu schmerzhaften Verzichten bereit ist, aber es wird keine Kompromisse über Israels Sicherheit geben."

Den Ausschlag dafür, dass die USA das Vertrauen zu Arafat verloren haben, hatte offenbar das mit 50 Tonnen iranischer Waffen beladene Schiff gegeben, das die Israelis vor einem Monat im Roten Meer abgefangen haben. Arafat hatte bisher die Annahme, dass Iran ihn unterstützen würde, als lachhaft abgetan und jede Verbindung zu dem Schmuggelversuch bestritten. Die in London erscheinende arabische Zeitung Al-Hayat berichtete nun von einem Brief an Bush, in dem Arafat die "persönliche Verantwortung" für die Waffenlieferung übernommen und die Hintergründe erklärt haben soll.

Geheime Liaison?

Eine geheime Liaison mit Iran, das zuletzt von Bush als Terrorsponsor und Teil einer "Achse des Bösen" genannt wurde, wäre für Arafat besonders peinlich. Israels Generalstabschef Shaul Mofas meinte nun, es gebe "mit Sicherheit eine palästinensisch-iranische Verbindung", die eine "schlimme Gefahr" darstelle.

Zudem lassen schrille Drohungen und Gegendrohungen israelischer und iranischer Politiker aufhorchen. Israels Außenminister Shimon Peres weist regelmäßig auf die Gefahr einer iranischen Atombombe hin. Der iranische Verteidigungsminister Ali Schamkhani warnte vor einer "unvorstellbaren" Reaktion, sollte Israel Iran angreifen.

(DER STANDARD, Printausgabe, 7.2.2002)
STANDARD-Korrespondent Ben Segenreich aus Tel Aviv
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