AMS schichtet massiv Mittel um

6. Februar 2002, 18:47
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Sparen bei Langzeitarbeitslosen - Geld für Kurzzeitqualifizierungen

Wien - Das Arbeitsmarktservice (AMS) schichtet mitten in einer Phase kräftig steigender Arbeitslosenzahlen fast 57 Mio. Euro (784,3 Mio. S) aus den speziellen Beschäftigungsprogrammen und Wiedereinstellungshilfen für Langzeitarbeitslose in Richtung von Qualifizierungsmaßnahmen für Kurzzeitarbeitslose um. Die Begründung lautet: Die Langzeitarbeitslosigkeit sei im Jahr 2001 ohnehin um 45 Prozent zurückgegangen. Wenn die Konjunktur, wie von Wirtschaftsforschern für die zweite Jahreshälfte erwartet, wieder anspringe, brauche die Wirtschaft höher qualifizierte, besser geschulte Kräfte. Das Geld sei hier besser investiert, heißt es sinngemäß im AMS.

Bei einer Podiumsdiskussion des SP-Renner-Instituts, moderiert von STANDARD-Redakteurin Lydia Ninz, sagte AMS-Chef Herbert Buchinger: "Wir müssen die Beschäftigungspolitik mittelfristig ausrichten. Die momentan steigende Arbeitslosigkeit ist nur ein vorübergehendes konjunkturelles Phänomen."

Demographische Veränderungen

Zwischen 2004 und 2010 würden dem heimischen Arbeitsmarkt durch demographische Veränderungen 300.000 Erwerbstätige entzogen. Buchinger: "Quantitativ lässt sich das durch das Hinaufsetzen des Pensionsantrittsalters, die EU-Erweiterung und die steigende Erwerbsneigung der Frauen lösen. Wir bekommen aber ein riesiges qualitatives Problem, das nur durch massive Investitionen in das Bildungssystem zu lösen ist."

Wifo-Experte Markus Marterbauer hält Lohnzuschüsse für wiedereingestellte Langzeitarbeitslose weiterhin für ein "taugliches Mittel". In der aktiven Arbeitsmarktpolitik liege Österreich pro Betroffenen gerechnet noch immer bei der Hälfte der Ausgaben etwa skandinavischer Länder. Buchinger sagte, das AMS-Budgetproblem beruhe darauf, dass die Regierung heuer 1,45 Mrd. Euro (20 Mrd. S) in das Pensionssystem abzweige.

Pöchhacker: Infrastrukturprojekte zügig abarbeiten

Der Präsident der Bauindustrie, Horst Pöchhacker, sprach sich für ein zügiges Abarbeiten der dringlichsten Infrastrukturprojekte im Generalverkehrsplan aus. Der Planungszeitraum von 30 Jahren sei um mindestens zehn Jahre zu lange angesetzt.

Der geplanten Bauarbeitsstiftung steht Pöchhacker skeptisch gegenüber: "Ich sage ja zur Querschulung in der Branche, wir dürfen die Leute aber nicht aus der Branche hinausschulen, denn wir brauchen sie ab 2003/2004." Insgesamt soll die Arbeitslosigkeit heuer von 6,1 auf 6,6 Prozent ansteigen, so die letzten Schätzungen. (miba, DER STANDARD, Printausgabe 7.2.2002)

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