Perlenfischer in Wiener Börsegewässern

6. Februar 2002, 17:19
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Mit internationalen Investoren kommt Bewegung in den Markt - Börsianer jubeln und spekulieren weiter

Wien - Auf der Suche nach Perlen verschlägt es derzeit einige internationale Investoren an die Wiener Börse. Auch nationale Großanleger sorgen für neue Eigentümerstrukturen. Der Markt ist zusätzlich zu den Spekulationen um die Telekom Austria und zu den Beteiligungen in der Energiewirtschaft (EVN und Verbund) in Bewegung - und den Börsianern gehen die Ideen nicht aus, was noch bevorstehen könnte.

US-Engagements

Nach dem 25-prozentigen Einstieg der Fries-Gruppe beim Edelstahlerzeuger Böhler-Uddeholm haben sich jüngst zwei US-Investoren größer eingekauft: Guy Wyser- Pratte bei der AUA und das Investmenthaus Arnhold & Bleichroeder beim Getränkekonzern BBAG. Beide Investoren haben je fünf Prozent Beteiligung gemeldet und wollen weiter aufstocken - im Falle der BBAG geschieht das derzeit recht aggressiv, wie Kursverlauf und Volumen zeigen. Beim Kühlgeräteerzeuger AHT ist ein Zürcher Fonds auf zehn Prozent gegangen.

Ziel der Neuen ist es, eine Minderheit zu erwerben, die groß genug ist, um Einfluss im Management auszuüben. "Das ist kein Zufall, dass das jetzt passiert", sagt Günther Artner, Analysechef für die Wiener Aktien in der Erste Bank.

"Stock-Pickers"

Engagements in Einzelaktien, die aufgrund ihrer Unterbewertung oder wegen möglicher strategischer Potenziale aussichtsreich scheinen, locken im noch immer extrem volatilen internationalen Börsegeschehen Investoren auch wieder in so genannte Randmärkte.

Gutes Zeugnis

"Wenn jemand einsteigt, dann jetzt, wo die Kurse so tief sind", sagt Böhler-Kommunikationschef Randolf Fochler, und: "Endlich zeigen unsere Marketingaktivitäten Wirkung." So kommentiert das auch Erich Obersteiner, Vorstand der Wiener Börse. Er sieht in der jüngsten Bewegung ein "gutes Zeugnis für die Unternehmen und für die neue Marktsegmentierung". Wobei: Bei einem Gros der Wiener Titel kann wenig Neues passieren, weil ihr Streubesitz sehr gering ist und sie in fixen Eigentümerhänden sind.

Neue Eigentümer für Wienerberger und Semperit?

Beim Baustoffkonzern Wienerberger und beim Kautschuk-Unternehmen Semperit dagegen erwartet der Markt bald neue Eigentümer. Bank Austria und Creditanstalt hatten bereits angekündigt, ihre Mehrheitsanteile abzugeben. Allerdings zu gewissen Bedingungen - und nicht zu jedem Kurs.

Martin Lotterstaetter, Portfoliomanager in der Bank Gutmann, erachtet auch den Erdölkonzern OMV als interessant für neue Investoren, "etwa wenn sie in Polen bei der PKN zum Zug kommt". Händlern zufolge dürfte auch bei der VA Tech ein US-Investor ante portas stehen.

Spekuliert wird derzeit auch wieder bei der Erste Bank: Die hohen Volumen "deuten auf jemanden hin, der sammelt", heißt es im Handel. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 7.2.2002)

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