Landwirtschaft soll nach schweren Unfällen sicherer werden

6. Februar 2002, 16:01
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Stress und hohe Arbeitsbelastung als häufigste Unfallursachen im bäuerlichen Bereich

Innsbruck - Nach zahlreichen schweren Unfällen in der Tiroler Land- und Forstwirtschaft im vergangenen Jahr startet die Landeslandwirtschaftskammer nun das "Jahr der Sicherheit".

Häufigste Verletztungs-Ursache sei Stress

2001 seien österreichweit 65 Unfälle mit tödlichem Ausgang (anerkannte Versicherungsfälle) registriert worden, in Tirol waren es zehn. Eine der häufigsten Unfall-Ursachen in der Tiroler Land- und Forstwirtschaft sei Stress, teilte Kammer-Präsident Ludwig Penz am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Innsbruck mit.

"Routine" birgt ein hohes Unfallpotenzial

Die schwersten Unfälle hätten sich mit landwirtschaftlichen Maschinen im steilen Gelände und bei der Forstwirtschaft ereignet. Das "geringe Problembewusstsein, hohe Arbeitsbelastung und mangelnde Sicherheitsausrüstung" seien für die meisten Unglücksfälle verantwortlich, betonte Hermann Abfalterer von der Sozialversicherung der Bauern (SVB). Auch "Routine" berge ein hohes Unfallpotenzial, erklärte Walter Schieferer, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Versicherung.

6.124 Unfälle im vergangenen Jahr im landwirtschaftlichen Bereich

Insgesamt hätten sich im Vorjahr in ganz Österreich 6.124 Unfälle im landwirtschaftlichen Bereich ereignet, 358 davon in Tirol. Auffallend an der Statistik sei auch die Konzentration von Arbeitsunfällen an Samstagen. Der Grund dafür liege vor allem im hohen Nebenerwerbsanteil der Tiroler Bauern (rund 80 Prozent), sagte Abfalterer. Da die Landwirte unter der Woche anderen Tätigkeiten nachgehen müssten, würden es an diesem Wochentag oft "Arbeitsspitzen" geben. Durch den Stress werde das "Sicherheitsbewusstsein" der Tiroler Bauern oft beeinträchtigt.

Aktion: "Sicher arbeiten - Leben schützen"

Unter dem Motto "Sicher arbeiten - Leben schützen" wollen die landwirtschaftlichen Organisationen Tirols gemeinsam zur Verringerung dieser Unfälle beitragen. Ein speziell für Tirol produziertes Video, Sicherheitstipps, eine Sicherheitstagung und Informationsmaterial sollen bei den Zielgruppen einen "Denkprozess" in Gang setzen. Vor allem Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung seien Inhalte dieser Kampagne. "Jeder Unfall ist einer zu viel", unterstrich Penz. "Wenn wir menschliches Leid, aber auch materielle Schäden verhindern können, ist die Aktion ein Erfolg".(APA)

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