Jährlich sterben tausende Schweinswale in den Netzen der Nordseefischer

6. Februar 2002, 15:39
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WWF schlägt Anbringung von Ultraschall-Reflektoren an den Netzen vor

Frankfurt/Main - Die Umweltstiftung WWF hat eine Umkehr in der europäischen Fischereipolitik gefordert. Den Verbrauchern fehlten verlässliche Informationen über Herkunft und Fangmethoden, sagte die WWF-Expertin Heike Vesper am Mittwoch in Frankfurt am Main. Es sei ein Skandal, dass allein in den Netzen der dänischen Nordsee-Fischer pro Jahr mehr als 7.000 Schweinswale sterben. Die Bundesregierung müsse auf EU-Ebene für den Schutz der Meeressäuger und eine Kennzeichnung von Fischprodukten eintreten.

Unsicherheit

Für Fischkäufer im Supermarkt ist nach WWF-Recherchen derzeit nahezu unmöglich, Details über die Ware zu erfahren. So müssten es die Verbraucher hinnehmen, dass sie etwa auch Kabeljau verzehren, bei dessen Fang Wale sterben mussten. "Aus Verbraucher- und Umweltsicht ist dies ein absolut unhaltbarer Zustand", sagte Vesper. "Auf jede Fischpackung gehören detaillierte Angaben über die Herkunft und die Fangmethode."

Angesichts der vielfach überfischten Bestände in der Nordsee verlangte der WWF, die Fischerei bis zur Erholung der Populationen zu reduzieren. Zudem müsse die Europäische Union per Gesetz Höchstmengen für so genannte Beifänge festlegen, also für ungewollte Fänge kleinerer Fische oder von Walen.

Schongebiete

Für die insgesamt rund 170.000 Schweinswale in der Nordsee sollten nach Meinung des WWF Schongebiete ausgewiesen werden. Auch die Kennzeichnung der oft dutzende von Kilometern langen Nylon-Stellnetze könne den delfin-ähnlichen Tieren helfen. Die knapp 1,50 Meter großen Wale orientieren sich über den Ausstoß von Tönen und deren Echo. Wären an den Netzen Reflektoren oder Sender angebracht, könnten sie diese nach Erkenntnissen von Experten meiden. (APA/AP)

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