Institut für Automobilwirtschaft: Reform bedroht kleine Händler

6. Februar 2002, 14:16
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"Preissenkung betrifft maximal fünf Prozent"

Geislingen/Steige - Autos werden nach Ansicht des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) durch die geplante Neuordnung des Automobilvertriebs in Deutschland um höchstens fünf Prozent billiger. Zwar könne es durch den erwarteten grenzüberschreitenden Autohandel tatsächlich zu einem Preisdruck kommen. Andererseits dürften die entstehenden großen Autohändlergruppen ihre Einkaufsvorteile in Niedrigpreisländern kaum in vollem Umfang an die Verbraucher weitergeben, erklärte Willi Diez von der Fachhochschule Nürtingen am Mittwoch.

Das Institut erwartet, dass nach Realisierung der Monti-Pläne vor allem kleinere Händler künftig aus dem Markt gedrängt werden könnten. IFA rechnet damit, dass sich die Zahl der rechtlich selbstständigen Händler in Deutschland von derzeit rund 17.000 auf 8.000 im Jahr 2010 reduziert. "Der Entwurf von EU-Kommissar Monti wird zu einem deutlichen Konzentrationsprozess im Automobilhandel führen", meinte Diez. Die dabei entstehenden großen Händlergruppen würden eine stärkere Machtposition gegenüber den Herstellern bekommen.

Hohe Preisdifferenzen

Die Filialgründung im Ausland könnte für Händler da interessant werden, wo international hohe Preisdifferenzen bestünden. Durch die Gründung von Filialen in Deutschland oder Großbritannien könnten erhebliche Gewinne erzielt werden, wenn die Autos in einem Niedrigpreisland wie Belgien oder Dänemark eingekauft würden. Besonders betroffen davon sei die Marke VW, die ihre Fahrzeug nach wie vor mit hohen Preisdifferenzen in Europa anbiete. Die Hersteller der Premiummarken könnten nach Ansicht des Experten verstärkt dazu übergehen, in werkseigenen Niederlassungen einen Direktvertrieb durchzuführen.

Der am Dienstagabend verabschiedete Monti-Vorschlag zur Neuordnung des Autovertriebes sieht unter anderem vor, dass Autohändler entweder ihre festgelegten Vertriebsgebiete verlieren oder auch an Zwischenhändler wie Supermärkte oder Re-Importeure verkaufen können. Diese Pläne stoßen bei den Automobilherstellern auf Widerstand. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) rechnet mit dem Verlust tausender Arbeitsplätze. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich gegen die Pläne ausgesprochen, die endgültig im Juli beschlossen werden sollen. (APA)

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