Positive Reaktionen im EU-Parlament

6. Februar 2002, 13:56
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Kritik kommt von Schröder und Autoherstellern - Ford Austria wenig beeindruckt

Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Autohersteller unter den zwei angebotenen Vertriebssystemen das selektive wählen. Demnach können sie Händlern gewisse Qualitätskriterien vorschreiben und so Internet-Händler oder Kaufhäuser ausschließen. Zugelassene Händler dürften dann aber in der ganzen EU Autos anbieten und auch andere Marken verkaufen. Sie dürften dabei auch die bis zu 40-prozentigen Preisunterschiede (ohne Steuern) zwischen den EU-Staaten für einzelne Automodelle ausnutzen und an die Kunden weiter geben. Kaum ein Hersteller werde exklusiv Gebiete einzelnen Händlern zuteilen, da diese Händler dann jeden, also auch Kaufhäuser, beliefern dürften, meint die EU-Kommission.

Der Kommissionsvorschlag stärkt auch die freien Werkstätten, die künftig das Recht auf volle technische Informationen über alle Autos erhalten müssen. Auch müssen sie vollen Zugang zu allen Ersatzteilen haben. Damit sollte der Verbraucher künftig leichter wählen können, wo und mit welchen Ersatzteilen er sein Auto reparieren lassen will.

Einige Parlamentarier fragten in der Diskussion am Dienstagabend, warum überhaupt für den Verkauf von Autos Sonderregeln nötig seien. Ein Preisrückgang wird von den Abgeordneten grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Es könnte allerdings sein, dass die Erwartungen Montis zu optimistisch seien, so Ingo Schmitt von der Europäischen Volkspartei.

Sozialdemokraten erwarten Konsumentengewinn

Die Sozialdemokraten Bernd Lange und Bernhard Rapkay erwarten auch, dass die Konsumenten durch die neuen Bestimmungen gewinnen werden. Sie fürchten aber, dass es zu einer Konzentration des Vertriebs mit Arbeitsplatzverlusten kommen könnte. Außerdem könnte der potenzielle Verkauf von Autos in Supermärkten dazu führen, dass manche Nischenmodelle an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Im Gegensatz dazu nennt der Chef der Liberalen Fraktion, Graham Watson, die Vorschläge seien ein Schritt in Richtung Liberalisierung, der aber "nicht weit genug geht, um die Wünsche der Konsumenten nach niedrigeren Preisen und mehr Auswahl zu erfüllen". Die Liberalen würden sich für radikalere Veränderungen einsetzen.

Heftige Kritik an den Vorschlägen kam bisher vom deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder - bei der Eröffnung der neuesten Fabrik von Opel - und den Automobilherstellern selber. Insbesondere wird dabei auf bevorstehende Arbeitsplatzverluste hingewiesen. Beobachter in Brüssel erinnern an Montis Kampf gegen den Duty-free Verkauf, den er als Binnenmarktkommissar führte. Damals warnte die Branche vor Massenentlastungen und massiven Nachteilen für die Reisenden. In Wahrheit kam es zu keinen Entlassungen und die Preise blieben mit dem Slogan "Travel-Value" unverändert. Allerdings verlor die Branche bis zu 40-prozentige Gewinnspannen.

Ford Austria wenig beeindruckt

Wenig beeindruckt reagiert hat Ford Austria, Importeur der drittgrößten Marke in Österreich, auf die Reformvorschläge der EU-Kommission für den europäischen Autovertrieb: "Die Industrie kann damit leben, wie sie in der Vergangenheit mit den wahrscheinlich gravierenderen Veränderungen bei den Abgasemissionen auch leben konnte", sagte Fritz Schmutzer, Generaldirektor der österreichischen Ford Motor Company am Mittwoch. Dies gilt seiner Meinung nach auch für die Markenhändler: "Ein guter Händler wird sich den Veränderungen in den Rahmenbedingungen stellen können." (APA)

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