Klone am Fließband hergestellt

6. Februar 2002, 13:04
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US-Forscher arbeiten an Chip, mit dem 150 Eier gleichzeitig entkernt werden können - Seeigel sind die Ersten

Los Angeles/Wien - Die von manchen gefürchtete und von anderen erhoffte Massenproduktion von Klonen könnte schon bald Realität werden. Wie das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, arbeiten Forscher der kalifornischen Biotech-Firma "Aegen Biosciences" derzeit an einem Chip, mit dem 150 Eier mehr oder weniger automatisch entkernt und mit fremden Zellkernen versorgt werden können.

Aufwandsverminderung

Bis jetzt ist die Herstellung von Klonen aus Körperzellen erwachsener Tiere eine zeitraubende und aufwändige Technik. Aus einer Eizelle muss dazu mittels einer feinen Hohlnadel aus Glas der Zellkern entfernt werden, anschließend wird ein Spenderzelle oder ein -kern - etwa im Falle des Klonschafes Dolly aus einer Euterzelle - eingepflanzt. Die Eizelle produziert dann, sofern die Manipulation erfolgreich war, exakte Kopien - Klone - des Spendertieres. Bestenfalls die Hälfte der so operierten Eizellen entwickelt sich so weit, dass die Zellen in eine Leihmutter verpflanzt werden können, der Rest geht zu Grunde.

Der wenige Zentimeter große Silikonchip der amerikanischen Wissenschafter weist Hunderte von kleinen Vertiefungen auf, in welchen die Eizellen untergebracht werden. Nach der Bestückung mit den Zellen wird der Chip in eine Zentrifuge gesteckt und zwar so, dass seine Unterseite nach außen weist. Die gegenüber dem Zellplasma schwereren Zellkerne wandern so zum Boden der Vertiefungen, dort befindet sich ein kleines Loch, durch das der Kern einfach abgesaugt werden kann. Somit sind die Eizellen entkernt, laut den Forschern ist die Prozedur zu 90 Prozent erfolgreich.

Frage offen

Aus der Technik, wie die "leeren" Eizellen dann mit den Spenderzellen zum Verschmelzen gebracht werden, machen die Biotechnologen noch ein Geheimnis. Auch müsse noch eine Menge Detailarbeit investiert werden. Die Forscher verraten nur so viel, dass über den Chip mit den entkernten Eizellen eine Art Deckel mit genau positionierten Spenderzellen gestülpt wird. Nach der Verschmelzung können die intakten Eizellen dann eingepflanzt werden.

Derzeit funktioniert der Chip mit Seeigel-Eiern. Laut Richard Kuo - einer der Gründer der Firma - können derzeit 30 bis 50 Seeigel-Eier auf einmal behandelt werden. Demnächst soll ein Test mit Rinder-Eiern gestartet werden. (APA)

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