Österreicher baute Sternwarte auf Teneriffa

6. Februar 2002, 19:06
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Hermann Koberger, pensionierter Maschinenbau- Konstrukteur, hat sich einen Lebenstraum erfüllt

Wien - Eine eigene Sternwarte zu haben ist wohl der Traum vieler Hobbyastronomen. Der pensionierte oberösterreichische Maschinenbau-Konstrukteur Hermann Koberger hat sich diesen nun erfüllt: Vor Kurzem eröffnete er seine "Estacion Astronomica Vilaflor" auf der Kanareninsel Teneriffa. Sowohl Kuppel als auch Instrument sind größtenteils selbst gebaut, berichtet die Astronomiezeitschrift "Der Sternenbote".

Klarer Himmel

Die Kanarischen Inseln eigenen sich auf Grund der meist klaren Sicht auf den nächtlichen Himmel besonders gut für astronomische Beobachtungen. So baut Spanien auf der Insel La Palma derzeit das größte europäische Teleskop, das so genannte Grantecan. Nicht zuletzt auf Grund der "Lichtverschmutzung" müssen Astronomen für ihre Beobachtungen in immer abgelegenere Weltgegenden. Vor allem in Großstädten ist die Lichtverschmutzung besonders schlimm. Hier wird die Nacht vielfach zum Tag gemacht, die vielen Lichtquellen machen aus dem satten Schwarz des nächtlichen Himmels ein mattes Grau, Beobachtungen von fernen Sternen sind dann kaum mehr möglich.

Westbahn-geschädigt

Koberger beschäftigt sich bereits seit Jahrzehnten mit der Astronomie. 1967 erlernte der Maschinenbauer das Spiegelschleifen, seine Kenntnisse gab er später auch bei Kursen im Planetarium Wien an Andere weiter. 1968 baute er sich seine erste Sternwarte auf dem Dach seines Elternhauses in Zipf (Oberösterreich). Da das Gebäude aber direkt an der Westbahn lag, bereiteten ihm die Vibrationen durch den zunehmenden Zugverkehr Probleme bei Langzeitbelichtungen.

Astronomisches Asyl

Ende der achtziger Jahre erwarb Koberger ein Stück Grund in dem 1.500 Meter hoch gelegenen Dorf Vilaflor auf Teneriffa. In den folgenden Jahren wurde Urlaub für Urlaub in Roh- und Ausbau des Hauses gesteckt, 1999 konnte der begeisterte Astronom mit der Errichtung der vier Meter hohen Kuppel beginnen. Im selben Jahr begann auch der Schliff des 60-Zentimeter-Spiegels. Und heuer, am 12. Jänner, war es dann so weit: Die Privatsternwarte konnte eröffnet werden.

"Mit Sachkenntnis und Liebe"

Unter den Festgästen war auch der bekannte österreichische Astronom und Betreiber des Freiluftplanetariums Sterngarten Georgenberg, Hermann Mucke. "Ich konnte mich von der hervorragenden Qualität des Teleskops überzeugen, man merkt, dass es sowohl mit Sachkenntnis als auch mit Liebe gefertigt ist", so Mucke. Mit einem 60 Zentimeter-Spiegel lassen sich beispielsweise Details auf dem Mond ausnehmen, die weniger als 50 Meter groß sind.

Beobachtungsziele

Hermann Kobergers astronomische Forschungsinteressen sind breit gestreut. So will er sich auf seiner neuen Sternwarte in den kommenden Jahren unter anderem der Beobachtung von Kleinplaneten widmen. Besonders interessant seien dabei die erdnahen Kleinplaneten und Trümmer, die gelegentlich auch in die Atmosphäre der Erde geraten und Meteoritenerscheinungen verursachen.

Blick in den "Deep Sky"

Koberger will seinen Spiegel aber auch in den tiefen Weltraum richten und den "Deep Sky" erforschen. Auch das Thema "veränderliche Sterne" steht auf der Liste des Astronomen. Kontakte hält Koberger auch zu Wissenschaftern des deutschen Max Planck-Instituts, die auf der benachbarten Insel La Palma ein Projekt zur Erforschung von Lichtblitzen aus kollabierenden Sternen betreiben.

Diese Blitze werden auch Hypernova genannt, sie sind extrem kurz, aber besonders intensiv. Würde sich ein derartiger Blitz in unserer Galaxie ereignen, würde auf der dem Ereignis zugewandten Seite der Erde das Leben ausgelöscht. "Es gibt keine Vorwarnungen für derartige Ereignisse. Um eines aufzeichnen und erforschen zu können, kann man nur das Teleskop auf Verdacht in eine Region mit einer besonders hohen Galaxiendichte richten und warten", so der Sternwarte-Chef.

Örtliche Hilfe und Dank

Die Forschungen Kobergers werden weitgehend auf mondlose Nächte beschränkt sein. In Mondnächten möchte er seine Instrumente interessierten Einheimischen zur Verfügung stellen, gleichsam als Dank für die Unterstützung durch Bürgermeister und Gemeinde. So wurden erst vor Kurzem Blendschutzeinrichtungen an Straßenbeleuchtungen rund um die Sternwarte angebracht, um die Beobachtungen nicht zu beeinträchtigen. "Insgesamt bemüht sich die Gemeinde sehr wohlwollend um das Projekt und wird per Gemeindeverfügung eine lichtgeschützte Zone erklären", berichtete Koberger. (APA)

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