Drei Generationen zurück

9. Februar 2002, 19:00
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Digitalisierte Sammlung von mehr als 10.000 historischen Ansichtskarten aus dem einstigen Deutschen Reich

Frankfurt/Main - Eine einzigartige digitale Sammlung von historischen Ansichtskarten aus 2.000 - zum Teil ehemals - deutschen Städten und Dörfern macht die Epoche der Urgroßeltern wieder lebendig. Mehr als 10.000 Karten aus der Zeit von 1890 bis 1928 zeigen nicht nur längst überbaute Plätze und zerstörte Bauwerke, sondern geben auch Aufschluss über Sichtweisen der späten Kaiserzeit und der Weimarer Republik.

Die Auswahl folgte dem Wunsch, eine möglichst große Anzahl von Orten zu zeigen. So finden sich kleine Dörfer aus dem Gebiet des Deutschen Reichs, die heute zu Polen oder Tschechien gehören, ebenso wie mehr als 1.000 Ansichtskarten allein aus Berlin - dem digitalen Kartenalbum lag schließlich auch eine Berliner Sammlung zu Grunde. Die Karten geben nicht allein ein fotografisches Abbild der Städte wieder, sondern zeigen oft Bauten und Orte, auf die man besonders stolz war. So gehören zu den rund 80 Ansichtskarten aus Mainz mehrere Aufnahmen von der damals soeben fertig gestellten Christuskirche, dem protestantischen Kontrapunkt zur Kirche des Erzbischofs. Und in Chemnitz hatte offenbar niemand etwas daran auszusetzen, Ansichtskarten mit der Darstellung des ebenso modernen wie pompösen Krematoriums zu verschicken.

Schriftliche Vermerke

Die meisten Karten sind Schwarz-Weiß-Fotografien oder handkolorierte Aufnahmen. Einige sind auf der Vorderseite beschrieben, was oft einen zusätzlichen Reiz ausmacht. Auch die Rückseiten der Karten sind eingescannt, sodass die Informationen über die dort angebrachten Verlagsangaben nicht verloren gehen. Mit Hilfe der Volltextsuche können alle Karten mit Abbildungen von Bahnhöfen oder anderen Bauwerken ausgewählt werden. Historikern bietet sich hier die Möglichkeit, 181 Kaiser-Wilhelm-Denkmäler zwischen Aachen und Wyk auf Föhr oder 51 Bismarcktürme miteinander zu vergleichen.

Eine bequem zu bedienenden Browser-Software lädt zum nostalgischen Stöbern ein. Die digitalen Abbildungen liegen in drei verschiedenen Größen vor, wobei die beiden kleineren Bilder alle auf der Start-CD enthalten sind. Erst wenn man die Vollbild-Darstellung einer Ansichtskarte anschauen will, wird man zum Einlegen der entsprechenden CD aufgefordert. Da die Software der "Digitalen Bibliothek" grundlegende Bildbearbeitungsfunktionen enthält, können die Ansichtskarten hier auch neu aufpoliert werden. Etwas mehr Bildschärfe, Helligkeit und Kontrast bringt viele der betagten Aufnahmen wieder richtig zum Glänzen. Danach können die Ansichten auch ausgedruckt oder abgespeichert und als romantischer E-Mail-Anhang versendet werden. (APA)

"10.000 Ansichtskarten - Deutschland um 1900 im Bild" ist der zweite Titel des Berliner York-Projekts. Die Sammlung von elf CD-ROMs ist im Buchhandel zum Preis von 49,90 Euro (686,6 S) erhältlich.

Webseite des Projekts
  • Ahrenshoop, eine idyllische Künstlerkolonie auf der mecklenburg-vorpommerschen Halbinsel Darß-Fischland
    foto: yorck project

    Ahrenshoop, eine idyllische Künstlerkolonie auf der mecklenburg-vorpommerschen Halbinsel Darß-Fischland

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