Paris wirft Washington "vereinfachende" Politik vor

6. Februar 2002, 11:31
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Vedrine: Zu simple Lösungswege der USA sind bedrohlich

Paris - Frankreich hat den USA vorgeworfen, bei der Bewältigung der internationalen Probleme nach den Anschlägen vom 11. September zu simple Lösungswege einzuschlagen. Die Probleme der Welt allein aus dem Blickwinkel der Terrorbekämpfung zu sehen sei nicht seriös, sagte der französische Außenminister Hubert Vedrine am Mittwoch dem Radiosender France Inter. Diese "übermäßige Vereinfachung" Washingtons sei bedrohlich und schaffe ein ernstes Problem, vor allem im Nahen Osten.

Vedrine kritisiert einseitiges Handeln der USA

Das einseitige Handeln der Vereinigten Staaten habe sich bereits mit dem Amtsantritt von Präsident George W. Bush abgezeichnet, sagte Vedrine. Die USA agierten, ohne die anderen zu befragen und allein auf der Grundlage "ihrer Interpretation und ihrer Interessen". Dabei verweigerten sie sich jedem internationalem Abkommen und jeder multilateralen Absprache, die ihre Entscheidungen, ihre Souveränität und ihre Handlungsfreiheit antasten könnten.

"Hypermacht USA"

Angesichts der "Hypermacht" USA müsse Europa seine eigene Identität betonen. "Wenn wir in bestimmten Fällen nicht mit der amerikanischen Politik übereinstimmen, dann müssen wir das sagen", forderte Vedrine mit Blick auf die Probleme im Nahen Osten. So hielten es die Europäer für einen Fehler, die Repressionspolitik des israelischen Regierungschefs Ariel Sharon zu unterstützen. Die Isolierung von Palästinenserpräsident Yasser Arafat sei ein "weiterer Fehler".(APA)

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