Wifo-Studie: Österreich an der EU-Spitze

6. Februar 2002, 13:53
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Bei den lohnsummenabhängigen Abgaben liegt Österreich mit Abstand an der Spitze aller EU-Staaten, weist eine kürzlich publizierte Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) aus. Die Quote dieser Abgaben liege in Österreich mit 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (1998) um 2,2 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt (0,5 Prozent). Österreichs Wirtschaft zahle damit um rund 4,36 Mrd. Euro (60 Mrd. S) mehr an Abgaben auf die Lohnsumme als die EU-Staaten im Durchschnitt, was die Arbeitskosten erheblich belaste. Deutschland habe seit der Aufhebung der Lohnsummensteuer Anfang der 80er-Jahre keine derartigen Abgaben mehr.

Überdurchschnittlich bei Sozialversicherungsbeiträgen

Deutlich über dem Durchschnitt liegen in Österreich auch die Sozialversicherungsbeiträge. In Österreich beträgt deren Quote 15,1 Prozent des nominellen BIP, im Durchschnitt der EU-Staaten liegt die Quote bei 11,4 Prozent.

Unterdurchschnittlich bei Körperschaftssteuern

Relativ gering ist in Österreich der Anteil der Körperschaftssteuern (KöSt) am Gesamtsteueraufkommen, was das Wifo auf die im europäischen Vergleich geringe Zahl an Kapitalgesellschaften zurückführt. Im Jahr 2000 entfielen auf diese Steuern in Österreich nach einer aktuellen Untersuchung der EU-Kommission 1,7 Prozent des BIP oder knapp 5 Prozent des gesamten Abgabenaufkommens. Damit liegt Österreich bei der Körperschaftssteuer unter dem EU-Durchschnitt von 3,2 Prozent.

Zieht man nicht den von Wirtschaftsseite gern als zu hoch reklamierten KöSt-Satz in Österreich von 34 Prozent (EU-Durchschnitt 31,9 Prozent) für einen Vergleich heran, sondern die effektive Steuerbelastung für Kapitalgesellschaften (inklusive Gewinnsteuern der Gebietskörperschaften und Gewerbesteuern), dann reiht sich Österreich unter die "billigen" Länder ein. Nach EU-Berechnungen beträgt der effektive Steuersatz in Österreich gegenwärtig 27,9 Prozent und ist etwa gleich hoch wie in Italien. Deutschland liegt dagegen selbst nach der Steuerreform 2001 mit 34,9 Prozent an der EU-Spitze, gleichauf mit Frankreich und Belgien. Geringere effektive Steuerbelastungen haben (Vergleich 2001) nur Dänemark und Finnland (je rund 27 Prozent), Schweden (23 Prozent) und Irland (11 Prozent). Nicht zuletzt aufgrund dieses Vergleichs hat selbst FPÖ-Wirtschaftssprecher Thomas Prinzhorn eine Senkung des KöSt-Satzes in Österreich kürzlich als nicht prioritär bezeichnet.

Gesamtbelastung: Vier Prozent über Durchschnitt

Die Gesamtbelastung mit Abgaben und Steuern (in Prozent des BIP) lag in Österreich 2001 um rund 4 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt. Nach der Steuerreform 2000 hat sich die österreichische Abgabenquote zwar verringert, ist aber nach Erreichen des Nulldefizits laut Statistik Austria auf einen historischen Höchstwert von 45,5 Prozent gestiegen, die EU-Kommission hat sogar 47 Prozent errechnet. Von den wichtigsten EU-Staaten weisen lediglich Frankreich und die Skandinavier eine höhere Abgabenquote auf als Österreich. (APA)

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