Da hilft nur noch LSD

6. Februar 2002, 22:19
posten

a), b), c) oder d) - 6. Februar 2002

Um es in der Sprache des Millionen-Quiz abzufragen: Welcher der folgenden Begriffe passt nicht zu den anderen? Ist es a) Fernweh, b) Fernsicht, c) Fernsehen oder d) Fernet?

Die Antwort lautet: Alles ist richtig außer den ersten drei Begriffen. Antwort d) beinhaltet ohnehin das Vorhergehende - oder zieht es bei entsprechender Konsumation nach sich.

Nicht der Energy-Drink Red Bull nämlich verleiht die sprichwörtlichen Flügel, sondern der wundersame, mit einem über unseren Alpen kreisenden Adler beworbene italienische Kräutertrank. Den haben sie aufgrund seiner Wirkung einmal liebevoll als "LSD für Arme" bezeichnet.

Angesichts von Zeiten, in denen die Anhäufung von sinnlosem Wissen heute wie noch nie mit Intelligenz verwechselt wird und persönliche Integrität sich an den Fragen Hump oder Dump und Stunk versus Trunk eine Blase auf der Großhirnrinde läuft, werden selbst die feinen Unterschiede umgeleitet ins emotionale Entlastungsgerinne.

Wer heute sehenden Auges den Fernseher einschaltet, sollte sich vorher vergewissern, dass er ausreichend Buchstabe d) bei sich hat. Sozusagen als intellektuelles Gleitmittel. Ich sehe fern, um zu vergessen.

Dass man gar nicht so viel essen kann, wie man kotzen möchte, gilt nach wie vor. Allerdings ist genug auch schon oft zu viel. Wissen wird zu Gussbeton. Es zieht das Land nach unten. Verdammt, wie bekomme ich nur den Hump und die Trunk aus mir wieder raus?! Vielleicht sollte man in Österreich ab sofort einen fernsehfreien Tag einführen. (schach/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 6. Februar 2002)

Share if you care.