Blick in die digitale Kristallkugel

5. Februar 2002, 19:47
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Bill Gates sieht, dank Internet immer und überall, blühende digitale Dekade voraus

Wien - "Zu jeder Zeit, von jedem Ort, mit jedem Gerät" ist der Marketingslogan, mit dem Bill Gates in die digitale Evolution zieht. Der Fernseher: eine Variante des Internets. Der PC, in Gestalt des "TabletPC": ein neues Lese- und Schreibgerät, das doch noch eine papierlosere Zukunft bringen soll. Das Auto: eine vernetztes Wohnzimmer auf Rädern, das weiß, wer seine Passagiere sind, und sich anpasst. Die Armbanduhr: ein Informationsgerät. Der Organizer: ein kommunikativer Alleskönner für die Tasche.

Inter-nette Zukunft

Bei einem Vortrag in Wien sieht Gates eine inter-nette Zukunft voraus, eine "digitale Dekade", von der wir in den letzten Jahren erst die Oberfläche gekratzt hätten. Eben, beim Weltwirtschaftsforum in New York, hätte ihm ein Banker erleichtert anvertraut: "Gott sei Dank ist diese Internetgefahr vorbei": "In gewisser Weise hat er Recht, weil Internetfirmen die alten nicht ausgehebelt haben. Aber wer glaubt, dass es nicht passiert, weil es nicht über Nacht passierte, macht einen großen Fehler." Drei bis vier Jahre werde es dauern, bis "echt revolutinäre Änderungen" von Logistik bis Wissensmanagement zu erkennen seien.

Für die Revolution hat Gates, Microsofts "Chef-Softwarearchitekt", eine große Blaupause entworfen, die mit Kürzeln wie XML (eine Weiterentwicklung der Webseitensprache HTML) und .NET (die Microsoft-Strategie zur Verknüpfung unterschiedlicher Daten und Services im Web) gespickt ist. Vereinfacht gesagt: Alle Daten, die ein Mensch in seinem Leben braucht, residieren im Netz und können automatisiert mit anderen Daten sinnvoll verknüpft werden. Heraus kommt ein intelligentes Netz, das von jedem Gerät benutzt werden kann.

Digitale Zweiklassengesellschaft

Was der Umsetzung im Wege steht? Eine Reihe von Faktoren, sagt Gates: die Gefahr einer digitalen Zweiklassengesellschaft - "wir müssen sicherstellen, dass alle Zugang zum Netz haben." Dazu gehöre auch, dass "der hohe Preis für Breitbandverbindungen runter muss". Unternehmen müssten lernen, ihre Informationen ganz neu zu betrachten: "Dass komplexe Transaktionen über das Netz erfolgen können, wird drei bis vier Jahre dauern."

Und "Sicherheit und Privatsphäre" müssten garantiert werden, damit Benutzer der Technologie ihre Daten anvertrauen: eine "Top Priority" für Microsoft. "Passwörter sind das schwächste Glied", wirbt Gates indirekt für "Passport", ein Microsoft-Produkt zur Authentifizierung eines Users gegenüber den verschiedensten Diensten. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe 6.2.2002)

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