In Slowakei droht Finanzskandal

5. Februar 2002, 18:51
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Über 100.000 Anleger fürchten um insgesamt 3,5 Milliarden Kronen

Bratislava - Der Slowakei droht möglicherweise ein Finanzskandal mit unabsehbaren Folgen. Im Zentrum des Interesses steht die private Investitionsfirma BMG Invest, die ihren Kunden eine Aufwertung der eingelegten Ersparnisse um sieben bis fast 40 Prozent jährlich anbietet.

Viele Slowaken haben der BMG, einer Tochterfirma der Gesellschaft Horizont Slovakia, jahrelange Ersparnisse anvertraut - am Montagmorgen blieben aber ausnahmslos alle Filialen der Firma im Land überraschend geschlossen.

Vor der Zentrale der BMG in der ostslowakischen Metropole Kosice versammelten sich in den Vormittagsstunden beunruhigte Kunden und stille Teilhaber. Unter der Öffentlichkeit macht sich langsam Nervosität breit - viele befürchten, dass sie ihr Geld niemals wieder sehen werden. Rund 3,5 Mrd. Kronen (79,5 Mio. Euro/1,1 Mrd. S) soll die BMG von ihren mehr als 100.000 Kunden erhalten haben. Das Management der Firma wies Gerüchte über einen drohenden Zusammenbruch entschieden zurück - laut einer Pressemitteilung ist der Grund für die vorläufige Schließung aller Filialen die Übernahme der Firma durch einen ausländischen Investor, der außer der BMG noch weitere 30 Tochtergesellschaften der Horizont gekauft haben soll. Der Name des Käufers sowie die Kaufsumme wurden aber vorläufig nicht bekannt. Das Geschäft soll erst Ende der letzten Woche über die Bühne gegangen sein.

Nicht erreichbar

Über die Termine der Auszahlung von fälligen Erlösen wird die Firma nach Abschließung der angeblich von den Käufern angeordneten Überprüfung der Bücher informieren, heißt es in der Pressemitteilung der BMG. An den Türen der Filialen klebt seit Montagmorgen nur eine kurz gefasste Mitteilung über die Übernahme und die interne Kontrolle, auch telefonisch war die Firma nicht erreichbar.

Die vorgesehene Dauer der Schließung aller Büros wird vorerst mit zwei Wochen angegeben.

Die drohende Affäre wurde am Montag zum Thema des Tages für alle slowakischen Medien. Nach Informationen des privaten Radio Twist sollen sich die Besitzer der Firma Horizont, zwei Slowaken, im Ausland befinden. (Renata Kubicová, DER STANDARD, Printausgabe 6.2.2002)

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