Madeleine Petrovic' "öffentliche" Leiden

5. Februar 2002, 21:13
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Beschwerde nach Zugfahrt beim ÖBB-General eröffnet Briefverkehr um Bahn-Missstände

Wien - Stoßgebete vor überlasteten Bahnschaltern, unerklärliche (und unerklärte) Zugstopps auf offener Strecke: Die, wie sie betont, "bisher treue Bahnkundin" Madeleine Petrovic teilt die Leiden vieler öffentlich Bewegter.

Vor wenigen Tagen erst sei sie beim Versuch, im Bahnhof Baden (Niederösterreich) einen Fahrschein für die Fahrt nach Wien zu erstehen, schier verzweifelt, erzählt die stellvertretende Klubobfrau der Grünen dem STANDARD: "Der Mann vor mir ließ sich eine Vorteilscard ausstellen. Das dauerte. Sonst hatte kein Schalter geöffnet und mein Zug ging in ein paar Minuten:"

Zudem sei ihr vor zwei Wochen auf der Fahrt von Wien nach Innsbruck gleich eine ganze Nacht verdorben worden: "Gleichzeitig unterwegs: Kitzbühel-Schlachtenbummler. Fazit: Randaliererei die ganze Nacht, keine Chance für das Personal . . .".

Brief an ÖBB-Generaldirektor

Warum dulde das ÖBB-Management "derartige absehbare Missstände", überlegte Petrovic - und leitete diese Frage auch gleich brieflich an ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde weiter. Weil es, ätzt Petrovic, "für die Bahn besser ist, wenn Leute sich aufregen, als dass sie aus Frust von der Bahn aufs Auto umsteigen".

Nur wenige Tage später erhielt die Politikerin einen Anruf. Es war "der Generaldirektor persönlich. Ich war positiv überrascht:" Vorm Walde habe sich entschuldigt und - später auch brieflich - angekündigt, Abhilfe schaffen zu wollen. "Er scheint willens, sich Beschwerden anzuhören", schätzt Petrovic ein.

Und kündigt darob an, den Briefverkehr mit dem Bahngeneral nicht einschlafen zu lassen. Anlässe dürfte es genug geben. Denn, wie Andreas Offenborn vom Verein Fahrgast betont, "die Unzufriedenheit der Bahnkunden setzt sich aus vielen unleidlichen Kleinigkeiten zusammen". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.2.2002)

Von Irene Brickner
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