Seufzer, Träume, graue Türme

5. Februar 2002, 20:46
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Die Stadt sucht - wieder einmal - nach Ideen für die Flaktürme

Wien - Seufzer tropfen nicht. Wenn dem so wäre, hätte der stete Tropfen des kommunalpolitischen Geseufzes längst den Stein gehöhlt - und die sechs Wiener Flaktürme wären kein Thema mehr. Doch die Anfang der 40er-Jahre errichteten Geschütztürme stehen. Fest und ungenutzt. Daran wird sich so rasch nichts ändern. Geseufzt wird trotzdem. Derzeit intensiver.

Dieser Tage ist es an Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) sich mit den unkaputtbaren Erinnerungen an den Krieg auseinanderzusetzen: Knapp vor Beginn der Semesterferien hat Schicker den Auftrag erteilt, Nutzungskonzepte für die grauen Zwillinge im Augarten, im Arenbergpark und in Mariahilf/Neubau zu erstellen und die rechtlichen Voraussetzungen für etwaige Nutzungen der rund 45 Meter hohen Betontrümmer zu erheben. Kommende Woche soll ein Spitzenbeamter, der schon öfters hoffnungslose Liegenschaften zu einem guten Ende entwickelt hat, mit der Causa betraut werden.

Während man im Rathaus davon ausgeht, den vom Bundesheer genutzten Bunker in der Stiftskaserne "eher nicht" einplanen zu können, erhofft man Ideen zu den von Tauben und deren Resten gefüllten Klötzen im Augarten.

Allerdings stehen anderswo schon lange Projekte an - ohne die Chance bald realisiert zu werden: Peter Noever träumt von Ausstellungs- und Gastronomieraum im Arenbergpark, wo sein Museum für angewandte Kunst Lagerflächen nutzt. Das 22-Millionen-Euro-Projekt verstaubt seit Jahren in Elisabeth Gehrers (VP) Kunstministerium.

Nicht weiter gediehen sind Pläne, auf dem Mariahilfer Flakturm - in dem das Haus des Meeres jährlich 215.000 Besucher begrüßt - in absehbarer Zeit irgendetwas zu bauen. Ein jahrelanger Streit zwischen Arcotel-Gruppe - sie will (wahlweise) "Kaffee-Erlebniswelt", "Designhotel" oder "Eventflächen" errichten -, Haus des Meeres und sechstem Bezirk hat mittlerweile aber eines bewirkt: Die Bezirksvorsteherin (SP) sieht die Zuständigkeit für eine Baubewilligung auf "ihrem" Flakturm nicht mehr beim Bezirk, sondern beim Planungsstadtrat. Und der seufzt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.2.2002)

Von Thomas Rottenberg
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