Abluft der U-Bahn für warme Messehallen

5. Februar 2002, 19:56
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Asbestsanierung belastet Baubudget der Wiener Messe

Wien - Warmes Wasser aus der U-Bahn? Das ist für Rudolf Mutz, Direktor der Wiener Messe, durchaus denkbar. Wenngleich, derzeit ist das "erst eine Idee und noch nicht projektiert". Schon gar nicht, was die Kosten betrifft. Umsetzen will Mutz die Vision jedenfalls: Jene Abwärme, die aus den U-Bahn-Schächten quasi ungenutzt verpufft, soll für die Warmwasseraufbereitung für den Messebetrieb herangezogen werden. Eine der beiden Stationen auf der verlängerten U2-Strecke, die ab 2007 das Pratergelände mit der Innenstadt verbinden wird, soll unterirdisch gebaut werden - und damit wärmetechnisch interessant sein. Wie die Lösung dazu ausschaut, ist aber noch unklar.

Außer dem durch die U-Bahn gewärmten Wasser spinnt man bei der Wiener Messe noch andere Ökoideen: So soll von den großen Dachflächen der Messehallen das Regenwasser nicht, wie sonst üblich, in den Kanal fließen, sondern gesammelt und gereinigt wieder ins Grundwasser zurückgeleitet werden. Zudem wird mit Photovoltaikanlagen Strom aus Sonnenenergie erzeugt und zu einem günstigen Tarif ins Wiener Stromnetz eingespeist werden, hofft Mutz auf eine ökologische Messezukunft.

Sondermüll am Bau

Das bisher größte Umweltvorhaben am Messegelände endete nun notgedrungen im Sondermüll: Als solcher mussten 700 Kubikmeter gefährlicher Asbest entsorgt werden. "Mit dem haben wir nicht gerechnet", schaudert Mutz vor den Altlasten vergangener Bauepochen. Schon gar nicht habe man kalkuliert, dass die Entsorgung der bis zu zehn Zentimeter dicken Spritzasbestschichten das Baubudget so hoch belaste: "Die Kosten von zweieinhalb Millionen Euro (34,4 Millionen Schilling) haben unser ganzes Budget für Sonderausgaben verschlungen."

Außerdem ist damit der Zeitplan für die Neugestaltung der "Messe Wien neu" (Kosten: 170 Millionen Euro) durcheinander geraten. Erst nach der Asbestentsorgung in den betroffenen Hallen und dem ehemaligen Messerestaurant konnten diese nun dem Erdboden gleichgemacht werden.

Damit 2003 die erste Großveranstaltung im neuen Kongresszentrum vonstatten gehen kann - ein internationaler Kardiologenkongress -, muss ab April im Zweischichtbetrieb gearbeitet werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.2.2002)

Von Andrea Waldbrunner
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