USA halten an Arafat fest

6. Februar 2002, 14:54
4 Postings

Sondergesandter Burns: Er ist der gewählte Vertreter der Palästinenser - Sharon: Washington muss Druck aufrecht erhalten

Kairo/Washington/Jerusalem - Die USA werden nach den Worten ihres Nahost-Sondergesandten William Burns weiterhin mit dem palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat zusammenarbeiten. Vor der Zusammenkunft des israelischen Premiers Ariel Sharon mit Präsident George W. Bush in Washington betonte Burns nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak am Mittwoch in Kairo, Arafat sei "der gewählte Führer des palästinensischen Volkes". Die USA würden auch in Zukunft mit der palästinensischen Führung kooperieren.

Sharon hatte zuvor erklärt, er wolle Bush am Donnerstag vorschlagen, "Arafat zu ignorieren, zu boykottieren, keinen Kontakt mit ihm zu haben und keine Delegation zu ihm zu schicken". Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer, der auch Vorsitzender der Arbeiterpartei ist, hatte am Dienstag in Washington die USA aufgefordert, Arafat nicht länger als Verhandlungspartner zu akzeptieren.

Israel hoffe auf Herausbilung einer "repräsentativen Leitung"

Israels Regierungssprecher Avi Pazner sagte in Jerusalem, Sharon werde gegenüber Bush darauf pochen, dass Arafat kein Gesprächspartner sei, "weil er nichts gegen den Terrorismus unternimmt und sogar dazu ermutigt". Pazner verwies auf Sharons Geheimtreffen mit Arafats Stellvertreter Mahmud Abbas (Abu Mazen) und Parlamentspräsident Ahmed Korei (Abu Ala) am 30. Jänner. Er fügte hinzu, Israel hoffe, dass sich auf palästinensischer Seite eine "repräsentative Leitung" herausbilde, die sich als Gesprächspartner eignen würde.

Außenminister Shimon Peres hat sich unterdessen von den Bestrebungen Sharons und Ben-Eliezers distanziert, nach einer Alternative zu Arafat zu suchen. Wenn Sharon führende Palästinenser wie Korei und Abbas treffe, dann verhandle er in Wirklichkeit mit den Vertretern Arafats, sagte Peres.

CIA-Direktor plant Nahost-Mission

Nach dem Scheitern von zwei Nahost-Missionen des US-Vermittlers Anthony Zinni soll CIA-Direktor George Tenet in die Krisenregion reisen. Sein Ziel sei es, einen Waffenstillstand zwischen Israelis und Palästinensern herbeizuführen, teilte ein hochrangiger Vertreter der palästinensischen Führung mit. Tenets Ankunft werde für Anfang nächster Woche erwartet. Der CIA-Chef hat bereits mehrfach zwischen den Konfliktparteien vermittelt. Er hatte einen Waffenstillstandsplan vorgelegt, der als Vorstufe für die Verwirklichung des Mitchell-Planes (von Ex-US-Senator George Mitchell) dienen soll. Dieser sieht unter anderem den sofortigen israelischen Siedlungsstopp in den palästinensischen Gebieten vor.

Arafat hat nach Angaben der Zeitung "Al Hayat" die Verantwortung für das von Israel im Roten Meer aufgebrachte Waffenschiff "Karine-A" übernommen. Die in London erscheinende arabische Tageszeitung berichtete unter Berufung auf "diplomatische Quellen in Washington", Arafat habe vor einigen Tagen einen entsprechenden Brief an Bush geschickt. In dem Brief habe Arafat nicht nur die "persönliche Verantwortung" für die Waffenlieferung aus dem Iran übernommen, sondern auch erklärt, wie diese organisiert worden sei, schrieb "Al Hayat".

USA über verschäfte Verbalattacken Israels gegen Iran irritiert

Die USA sind nach israelischen Presseberichten über die verschärften Verbalattacken Israels gegen den Iran irritiert und werden von Sharon Zurückhaltung verlangen. Die jüngsten israelischen Angriffe könnten auf iranischer Seite "unerwünschte Reaktionen" hervorrufen, die für die USA störend wären, zitierte die israelische Tageszeitung "Yediot Aharonot" am Mittwoch hohe Regierungskreise in Washington. Die israelische Regierung und Generalstabschef Shaul Mofaz hatten am Dienstag scharfe Warnungen an die Adresse Teherans gerichtet. Verteidigungsminister Ben-Eliezer forderte die USA auf, gegen Terroristen im Libanon vorzugehen, die vom Iran gesteuert würden.(APA/AP/Reuters)

Share if you care.