Stammzellenentnahme aus Nabelschnurblut in immer mehr Spitälern

6. Februar 2002, 13:07
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Bereits über 60 Krankenhäuser in Österreich

Linz - Immer mehr österreichische Krankenhäuser bieten werdenden Müttern die Möglichkeit, unmittelbar nach der Geburt Stammzellen aus der Nabelschnur zu gewinnen. Diese Zellen können später dem Kind - oder anderen Blutsverwandten - im Falle einer schweren Krankheit zugute kommen. Die Leipziger Firma Vita 34, einer von drei auf diesem Sektor in Europa tätigen Unternehmen, präsentierte am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Linz Zahlen und Erfahrungen zum Thema.

Die Entnahme des Nabelschnurbluts erfolgt unmittelbar nach der Entbindung. Der Vorgang, bei dem im Durchschnitt rund 80 Milliliter gewonnen werden, dauert nur etwa eine halbe Minute und ist risiko- und schmerzfrei. Die Zellen werden schnellstmöglich ins Labor gebracht, dort untersucht und anschließend eingefroren. 99 Prozent aller Frauen seien geeignet, schätzte der Linzer Gynäkologe Gerald Hartmann auf der Pressekonferenz. Gründe, die einem Erfolg des Verfahrens im Wege stehen könnten, seien etwa eine Erkrankung der Mutter oder eine ungenügende Menge an Nabelschnurblut.

Entscheidet sich eine Frau für das Verfahren, müsse sie vor der Entbindung einen Vertrag mit der Firma, die die Lagerung durchführt, schließen, erklärte Susanne Engel von Vita 34 das Prozedere. Er regle unter anderem das Eigentumsrecht über die eingelagerten Zellen. Dieses liege beim Kind bzw. bei seinen Eltern als Vormund. Nach Ablauf der vereinbarten Aufbewahrungszeit könne das Kind dann entscheiden, ob die Stammzellen weiter aufbewahrt, vernichtet oder zur Forschung freigegeben werden sollen. Einen Handel mit den Zellen schließe der Vertrag dezidiert aus. Die Kosten dieser "biologischen Lebensversicherung" liegen - im Falle von Vita 34 - zwischen 1.800 Euro für eine 20-jährige Aufbewahrung und 3.100 Euro für 99 Jahre.

"Stammzellenbank" wird beim Roten Kreuz in Oberösterreich eingerichtet

Vor überzogenen Erwartungen und auch vor Geschäftemacherei im Zusammenhang mit den Stammzellen aus Nabelschnurblut warnte am Dienstag der oberösterreichische Landesrat Walter Aichinger (V). Aichinger gab in diesem Zusammenhang bekannt, dass das Rote Kreuz in Oberösterreich derzeit eine "Stammzellenbank" einrichtet, "die nach dem Gemeinnützigkeitsprinzip" aufgebaut und der Allgemeinheit zugänglich sein werde. Schon nach Ostern werde die neue Stammzellenbank ihre Tätigkeit aufnehmen.

Zugleich werde die Forschung forciert, betonte Aichinger. Auch die Vertreter des Roten Kreuzes in Oberösterreich kündigten entsprechende wissenschaftliche Aktivitäten im Bereich der Stammzellenentnahme an. (APA)

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