Unverstandene Wegbereiter

5. Februar 2002, 15:00
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Beethoven-Schönberg-Zyklus der Münchner Philharmoniker

München - Im Zentrum der Saison 2002/2003 der Münchner Philharmoniker steht ein Beethoven-Schönberg-Zyklus. "Beide Komponisten haben zu ihrer Zeit neue musikalische Grundlagen geschaffen und fühlten sich von ihren Zeitgenossen unverstanden", sagte Chefdirigent James Levine am Dienstag bei der Vorstellung des Programms. Diese deutlichen Parallelen wolle er in dem Zyklus, der nach den Worten von Intendant Bernd Gellermann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben will, herausarbeiten. Außerdem werden die jeweils einzigen Opern der Komponisten - "Fidelio" beziehungsweise "Moses und Aron" - konzertant gespielt.

Eine weitere Besonderheit in diesem Zyklus ist Gellermann zufolge das gemeinsame Auftreten von Levine und Daniel Barenboim. Das sei ein lang gehegter Wunsch beider Dirigenten gewesen - schon aus einer Zeit, als sie noch Tür an Tür bei den Bayreuther Festspielen wohnten. Auf dem Programm stehen die jeweils vierten Klavierkonzerte von Arnold Schönberg und Ludwig van Beethoven - Levine dirigiert und Barenboim sitzt am Flügel. Beim 4. Kammerkonzert mit Werken von Schönberg ("Pierrot lunaire") und Beethoven wird der US-amerikanische Pultstar darüber hinaus auch als Dirigent und Pianist vertreten sein.

Gastdirigenten

Weitere Glanzlichter verspricht sich Gellermann auch von den Gastdirigenten mit ihren Programmen wie Michael Gielen mit der selten gespielten 7. Sinfonie von Gustav Mahler oder Christian Thielemann mit der deutschen Erstaufführung der 10. Sinfonie von Hans Werner Henze. Zubin Mehta setzt ferner den Angaben zufolge die Tradition der Bruckner-Aufführungen fort und Kent Nagano dirigiert Olivier Messiaens "Eclairs sur l'au-delà". Die zeitgenössische Musik ist mit Werken von Adams, Ligeti, Kurtag, Eötvös, Schnittke und Rautavaara sowie mit einer Uraufführung der 5. Sinfonie von Manfred Trojahn vertreten.

Sein Wechsel zum Boston Symphonie Orchestra zur Saison 2004/2005 und damit die Nichtverlängerung seines Münchner Vertrages begründete Levine damit: "Es war eine künstlerische Notwendigkeit, dass ich mich für Boston entschieden habe." Die Entscheidung sei ihm sehr schwer gefallen, aber so ein außergewöhnliches Angebot komme nicht wieder. Mit dem Bostoner Orchester habe er die Chance, einen kreativen Beitrag im symphonischen Bereich für die ganze USA zu setzen. Er wäre sehr gerne in München geblieben und hoffe, Gastkonzerte geben zu können - soweit es seine Zeit dann erlaube. Levine, Chef der New Yorker Metropolitan Opera, wird als Bostoner Musikdirektor Nachfolger von Seiji Ozawa, der ab der Saison 2002/2003 als Musikdirektor der Wiener Staatsoper das Zentrum seiner künstlerischen Tätigkeit nach Wien verlegt. (APA)

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