Noch keine endgültige Beurteilung der Teuerung

5. Februar 2002, 14:56
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Für differenzierte Analyse zu früh - Abrundungswettbewerb wird anhalten - Verunsicherung im Sinken begriffen

Wien - Ob es im Zuge der Euro-Umstellung zu Preissteigerungen und einem Anstieg der Inflationsrate gekommen ist, könne derzeit noch nicht endgültig beurteilt werden, sagte OeNB-Direktor Wolfgang Duchatczek am Dienstag in Wien. Für eine differenzierte Analyse sei es noch zu früh. Die letztverfügbaren Dezember-Inflationszahlen zeigten aber bei den Gesamtzahlen keinen nennenswerten Preisschub. Fessel+GfK-Geschäftsführer Rudolf Bretschneider zeigte sich überzeugt, dass es den Wettbewerb beim Abrunden - etwa zwischen den Handelsketten - auch nach dem Ende der Schilling-Ära geben wird.

Die Bargeldumstellung hat nach Ansicht von Duchatczek zu einer höheren Preissensibilität geführt. Allfällige Preiserhöhungen würden dadurch deutlich genauer registriert als früher. Dies erzeuge das subjektive Gefühl, dass sehr viele Preise überdurchschnittlich erhöht worden seien, was sich aber nicht mit den volkswirtschaftlich feststellbaren Faktoren decke. Auf das Kaufverhalten werde die Euro-Umstellung keine nennenswerten Auswirkungen haben.

Umrechnungsstrategien

Eine weitere Fragestellung der heute präsentierten dritten Studie zum Euro-Wertverständnis der Österreicher befasst sich mit den Umrechnungsstrategien. Dabei zeigen sich unterschiedliche Tendenzen. Nur die wenigsten Befragten - meistens Euro-Gegner - rechnen demnach ganz exakt um. Bei Gütern des täglichen Bedarfes wird eher auf bereits gelernte Preise (61 Prozent) gesetzt oder man schätzt den Umrechnungsbetrag (58 Prozent) oder man kauft ohne großes Umrechnen einfach was man braucht (52 Prozent). Eher noch penibel mit Rechner umgerechnet wird allerdings bei teuren Anschaffungen (40 Prozent).

Keine Umrechnung bei Gütern des täglichen Bedarfes machen laut Studie Frauen, Unter-20-Jährige, Personen mit hoher Bildung und Personen mit positiver Einstellung zum Euro. Eine exakte Umrechnung betreiben eher Ältere über 50 Jahre, Personen mit niedriger Bildung und niedrigem Einkommen sowie Personen mit negativer Einstellung zum Euro. Die meisten Befragten gaben an, mehrere Strategien zu kombinieren und zu verwenden.

Verunsicherung in Sinken

Laut Studie ist die allgemeine Verunsicherung im Zusammenhang mit der Euro-Umstellung im Sinken begriffen. Der Anteil der Verunsicherten fiel seit Jahresbeginn von 33 auf 24 Prozent am 21. Jänner. Der Anteil jener, die keine Problem mit der Umstellung haben, stieg dagegen seit Jahresbeginn von 50 auf 55 Prozent. 19 Prozent - mehr als die 12 Prozent zu Jahresbeginn - fürchten sich davor, zu viel Geld auszugeben, da die Preise klein erscheinen oder weil plötzlich ihr Lohn so gering erscheint (11 Prozent nach 8 Prozent). Mit 10 Prozent klagen laut Bretschneider "erstaunlich wenig" über die Zeit, die sie in den Geschäften wegen der Umrechnung verlieren. Zu Jahresbeginn waren es noch 21 Prozent.(APA)

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