Ostdeutsche wollen großen Volksparteien einen Denkzettel verpassen

5. Februar 2002, 14:30
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44 Prozent von CDU und SPD enttäuscht - Schröder gilt als Förderer neuer Länder, Stoiber als besserer Wirtschaftsexperte

Dresden - Fast die Hälfte (44 Prozent) der ostdeutschen Wähler sind laut einer Umfrage von den großen Volksparteien CDU und SPD enttäuscht und wollen ihnen bei den nächsten Wahlen einen Denkzettel verpassen. Für die von den "Dresdner Neuesten Nachrichten" (Dienstagausgabe) in Auftrag gegebene Befragung wurden 1.005 Wahlberechtigte in den fünf neuen Bundesländern und Ostberlin befragt. Von der Unzufriedenheit profitierten vor allem PDS und FDP, schrieb das Blatt.

Laut Umfrage würden von der Gruppe der enttäuschten Wähler wiederum 28 Prozent ihre Stimme der SED-Nachfolgepartei geben, 17 Prozent den Freien Demokraten und acht Prozent der Schill-Partei. Bündnis 90/Die Grünen kämen danach auf sieben Prozent. Die Frage, ob man aus Frust heraus einer rechtsradikalen Partei seine Stimme geben sollte, stieß bei den Befragten auf wenig Resonanz. Nur drei Prozent aus der Gruppe der Enttäuschten würden dies machen, hieß es.

Nach Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und seinem Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) befragt, ergab sich laut Befragung ein unterschiedliches Bild. Bei den Themen Gerechtigkeit (44 Prozent), Förderung Ostdeutschlands (43 Prozent) und Stärkung von Deutschlands Ansehen in der Welt (49 Prozent) halten die Wahlberechtigten in den neuen Bundesländern Schröder für kompetenter als Stoiber. Stoiber wird als egoistischer eingestuft, Schröder als reformfreudiger.

Der CSU-Politiker und bayerische Ministerpräsident macht aber im direkten Vergleich mit seinem Kontrahenten Punkte bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (37 Prozent), im Kampf gegen die Kriminalität (42 Prozent) und bei der Sicherung des Wohlstandes (39 Prozent). Auch bei der Führungsstärke (39 Prozent) trauen ihm die Ostdeutschen mehr zu als Schröder (29 Prozent). Das gleiche gilt für den wirtschaftlichen Sachverstand. Hier kann Stoiber 40 Prozent für sich verbuchen, während nur 25 Prozent der Ostdeutschen Schröder auf diesem Gebiet für kompetent halten.

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