Falter: "Mölzers Mörder"

5. Februar 2002, 20:42
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"Zur Zeit"-Herausgeber im Kampf gegen einen jüdischen Journalisten

Wie in der neuen Ausgabe des Falters vom 6. Februar 2002 zu lesen sein wird, hat Andreas Mölzer, Chefredakteur der Wochenzeitung "Zur Zeit", wieder einiges Aufsehen verursacht.

Mölzers Blatt ist in Geldnot. Denn „der Druck unserer Gegner auf das Wochenblatt hat sich drastisch erhöht“, schrieb Mölzer in einem Bettelbrief an seine Leser.

Um zu Geld zu kommen listete er in einem Brief an seine Leser Attacken auf, die sein Blatt „in die Knie zwingen“ würden. Zu den Angreifern zählt er auch den „jüdischen Journalist“ Karl Pfeifer: „Der langjährige Redakteur der Zeitschrift der israelitischen Kultusgemeinde wurde aus Anlass des Todes von Professor Pfeifenberger in den Reihen jener Jagdgesellschaft geortet, die den konservativen Politikwissenschafter in den Selbstmord getrieben hat“, versicherte Mölzer.

Haiders ehemaliger Kulturberater muss seine Behauptung keinen Beweis erbringen. Sie ist nämlich seine „Meinung“ und als solche von der Justiz geschützt. Mölzer hat vergangene Woche einen Ehrenbeleidigungsprozess gegen Karl Pfeifer gewonnen. Ergebnis: Es ist zulässig, einen jüdischen Journalisten, der einen Professor zu Recht kritisierte, öffentlich als moralischen Mörder zu denunzieren.

Die Vorgeschichte

Karl Pfeifer hatte 1995 einen Artikel über den Salzburger Politologen Werner Pfeifenberger verfasst. Im „Jahrbuch für Politische Erneuerung“ der FPÖ (Co-Herausgeber: Andreas Mölzer) hatte der Politologe einschlägige historische Thesen verbreitet. Pfeifer kritisierte sie in einer Rezension als „Nazidiktion“ und „alte Nazimär von der Weltverschwörung“. Die Staatsanwaltschaft klagte den Politologen Pfeifenberger nach dem Verbotsgesetz an. Kurz vor dem Geschworenenprozess beging dieser aus bisher ungeklärten Gründen Selbstmord.

Es folgte eine publizistische Kampagne Mölzers gegen den „jüdischen Journalisten “ Pfeifer. Pfeifer klagte und gewann in erster Instanz. Mölzer habe die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten. In zweiter Instanz jedoch verlor Pfeifer. Richterin Doris Trieb empfand den Vorwurf der „Menschenhatz, die in den Tod führen sollte“ als „zulässige Meinungsäußerung“. Nun ist auch der vorläufig letzte Prozess in dieser Causa entschieden. Vergangene Woche gewann "Zur Zeit"-Chef Andreas Mölzer den letzten Prozess, den Pfeifer gegen ihn wegen des „Schnorrbriefes“ und dem darin enthaltenen Vorwurf, „einen Menschen in den Selbstmord getrieben zu haben“ angestrengt hatte.

Karl Pfeifer will nun den Europäischen Gerichtshof in Strassburg anrufen. Er fühlt sich als Journalist bedroht und vom Staat im Stich gelassen. (red)

Link: Falter
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