KirchGruppe unter Druck

5. Februar 2002, 16:04
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Banken wollen keine neuen Kredite geben

München - Die Gläubigerbanken haben den Druck auf die hoch verschuldete deutsche Mediengruppe Kirch erhöht. Die Bayerische Landesbank, bisher größter Kreditgeber Kirchs, will offenbar momentan keine weiteren Kredite mehr gewähren. Dies berichteten die "Financial Times Deutschland" und das "Handelsblatt" am Dienstag. Am Vortag hatte bereits Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer in New York gesagt, es sei unwahrscheinlich, dass die Großbanken Kirch neues Geld geben würden. Der bereits mit 5 Mrd. bis 6 Mrd. Euro verschuldeten KirchGruppe stehen in diesem Jahr möglicherweise weitere milliardenschwere Forderungen ins Haus.

Bei der KirchGruppe stießen die Äußerungen Breuers auf Unverständnis. "Wir sind verwundert", sagte ein Sprecher. Es gebe keinen Anlass für eine solche Einschätzung. Ansonsten wolle man Bankenbeziehungen aber nicht kommentieren.

Streit mit Springer

Derzeit befindet sich der Konzern im Streit mit dem Springer-Verlag, der unter Berufung auf eine Option für rund 770 Mill. Euro (10,60 Mrd. S) seine ProSiebenSAT.1-Beteiligung an Kirch zurück verkaufen will. Kirch hält die Option für unwirksam.

Sollte Kirch zahlen müssen, dürfte es nach Einschätzung von Bankenkreisen für ihn schwierig werden, gegebenenfalls einen Kreditgeber zu finden: "Der Finanzsektor ist unter den derzeitigen Umständen nicht bereit, weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen", sagte Breuer, der auch Chef des deutschen Bankenverbands ist, der Nachrichtenagentur Bloomberg in New York.

Schwerer Schlag - aber keinesfalls das Aus

Nach Einschätzung in Branchenkreisen würden die Kreditabsagen für Kirch "zwar einen schweren Schlag und ein ernst zu nehmendes Problem, aber keinesfalls das Aus" bedeuten. So könnten beispielsweise die Mitgesellschafter der KirchMedia - wie die italienische Fininvest von Ministerpräsident Silvio Berlusconi oder Rupert Murdochs News Corp - Kirch zur Seite springen. Allerdings müsste Kirch in einem solchen Fall einen steigenden Einfluss der Mitgesellschafter hinnehmen.

Der Aktienkurs der Kirch-Tochter ProSiebenSAT.1 Media AG (München) setzte am Dienstag seine Talfahrt fort und fiel zeitweise um mehr als 6 Prozent auf 4,50 Euro. Das 52-Wochen-Hoch lag bei knapp 40 Euro. (APA)

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