"Die Japan AG noch nicht abschreiben"

5. Februar 2002, 12:28
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Nick Edwards, Fondsmanager bei der Credit Suisse, gibt sich für den japanischen Aktienmarkt verhalten optimistisch

Trotz der angespannten Situation der japanischen Wirtschaft ist der Experte nicht so pessimistisch wie manch andere Kommentatoren eingestellt, aussichtsreiche Kaufgelegenheiten für Investments in Japan zu finden. Der 11. September war so etwas wie ein Stresstest, der positiv absolviert wurde. "Man sollte die Japan AG noch nicht abschreiben", war eine der Kernaussagen des Fondsmanagers im Rahmen einer Veranstaltung in Wien.

e-fundresearch: Mr. Edwards, Sie sind der Global Head for Japanese Equities und Fondsmanager des Credit Suisse Equity Fund Small Cap Japan. Der Nikkei 225 notiert weit unter seinen Höchstständen. Kann es in Japan überhaupt noch schlimmer werden?

Nicholas Edwards: "Ja, es könnte noch schlimmer werden. Die derzeitigen Probleme resultieren aus dem unzureichenden Fortschritt der politischen Reformen und dem generellen und schwierigen konjunkturellen Umfeld. Trotzdem bleiben wir für Japan weiter optimistisch eingestellt. Nach einer kurzen, schwierigen Umbruchsphase wird es dort wieder aufwärts gehen. Japan ist am richtigen Weg. Außerdem ist die BoJ (Bank of Japan) sehr aggressiv was das Bereitstellen von Liquidität betrifft. Das sollte dem Markt sehr helfen. Am Jahresende werden wir also höhere Indexstände als heute sehen."

e-fundresearch: Wohin wird diese enorme Liquidität fließen. In den Aktienmarkt?

Nicholas Edwards: "Ja einiges davon sicher. Der Aktienmarkt hätte in den letzten Monaten viel schlechter laufen können. Die BoJ wirkt alle den negativen Nachrichten also derzeit entgegen. Viel davon wird aber auch in den "Sparstrümpfen" versickern."

e-fundresearch: Was muss sich in Japan tun um einen "turnaround" möglich zu machen und wie groß ist das Potential dort nach oben?

Nicholas Edwards: "Die Unternehmen müssen höhere Erträge, d.h. Return on Equity, also Shareholder Value generieren. Auf der volkswirtschaftlichen Seite muss die Regierung die Steuern senken. Japan sollte dieselben Dinge unternehmen, die die Reagan-Regierung in den frühen 80ern in den USA unternommen hat. Derzeit ist Japan aber noch in einem Teufelskreis gefangen: Niedrige Erträge, Deflation, noch niedrigere Erträge, fallende Aktienkurse usw. Daraus muss man herauskommen - und zwar durch einen Mix aus makro- und mikroökonomischen Maßnahmen."

e-fundresearch: Welche Sektoren gefallen Ihnen derzeit in Japan am Besten?

Nicholas Edwards: "Im Moment gewichten wir Technologie über. Japan hat in diesem Bereich sehr viele ausgezeichnete Unternehmen die von einem globalen Aufschwung in diesem Sektor profitieren werden. Weiters gefällt und der (zyklische) Maschinenbau. Untergewichtet ist aktuell der Bankensektor."

e-fundresearch: Sie managen einen Small Cap Fonds. Warum soll ein Investor überhaupt in japanische Small Caps investieren?

Nicholas Edwards: Small Caps sind noch billiger als der Gesamtmarkt. Das Risiko ist natürlich auch höher, wenn es der Wirtschaft nicht so gut geht. Diese Unternehmen werden von den vielen noch anstehenden Veränderungen in Japan aber mehr profitieren. Ich denke, dass Small Caps aber auch in Zukunft besser als Blue performen werden."

e-fundresearch: Und was denken Sie wie es mit dem Yen weitergeht?

Nicholas Edwards: "Der Yen war in letzter Zeit sehr schwach weil die Liquidität die die BoJ bereitgestellt hat sehr groß war. Kurzfristig kann der Yen noch schwächer werden. Wenn die notwendigen Reformen, etwa im Bankensektor, aber erfolgreich sind, werden ausländische Investoren wieder zurückkehren. Das Marktsentiment in Japan ist aber so schlecht wie es in den letzten 20 Jahren nicht mehr war. Man kann also erwarten dass es von nun an nur noch besser werden kann."

(e-fundresearch.com)

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