Ein "Biotech-Wundermittel" mit Problemen

5. Februar 2002, 11:45
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Elan und Wyeth-Ayerst stoppen Alzheimer-Impfstoff-Studie: Vier Patienten zeigten schwere Nebenwirkungen

Washington/Dublin - Das irische Forschungsunternehmen Elan bzw. sein Partner Wyeth-Ayerst (USA) haben eine klinische Studie mit dem ehemals mit vielen Vorschusslorbeeren bedachten Alzheimer-Impfstoff AN-1792 vorläufig gestoppt. Der Grund: Vier Patienten zeigten schwere Nebenwirkungen.

"Die Unternehmen haben beschlossen, vorübergehend die Behandlung von Patienten in dieser Phase 2A auszusetzen, nachdem vier französische Probanden Zeichen einer Entzündung des Zentralnervensystems (Gehirn, Rückenmark, Anm.) zeigten. Die Betroffenen erhalten die entsprechende medizinische Behandlung, die Unternehmen arbeiten mit den an den Studien beteiligten Ärzten zusammen, um die Ursache festzustellen", hieß es vor kurzem in einer Presseaussendung des US-Pharmakonzerns und des irischen Unternehmens.

AN-1792 wurde in den Medien international als "Alzheimer-Impfstoff" bekannt. Es handelt sich um eine synthetische Version von Amyloid-Beta. An damit immunisierten Mäusen hatte sich gezeigt, dass man offenbar eine Immunantwort gegen dieses sich bei Morbus Alzheimer im Gehirn ansammelnde Eiweiß hervorrufen konnte. 1999 wurden dazu Studiendaten veröffentlicht, die zeigten, dass es zu einem Rückgang der Amyloid-Ablagerungen im Gehirn der Mäuse kam.

Im Dezember 1999 wurde mit den ersten klinischen Studien an Menschen begonnen. Bei 80 Patienten, welche AN-1792 bekamen, zeigten sich keine Nebenwirkungen. Vergangenen Oktober - so wurde jetzt in der britischen Wissenschaftszeitschrift "Nature" berichtet - starteten in den USA und in vier europäischen Ländern die klinischen Studien mit 360 Alzheimer-Kranken zur Bestimmung einer möglichen Wirksamkeit des Vakzins bei Alzheimer-Patienten.

Aufgenommen wurden Patienten mit milder bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz. Sie sollten in regelmäßigen Abständen mit AN-1792 geimpft werden. Gleichzeitig wurden sie auf die Entwicklung der Hirnleistungsstörung getestet. Allerdings hatten sich manche Experten wegen möglicher Autoimmunreaktionen gegen das Gehirn der schon kranken Probanden skeptisch geäußert.

"Manche Leute haben eine solche Entzündung als mögliche Nebenwirkung vorhergesagt", wurde jetzt der australische Neuro-Wissenschafter Stephen Robinson (Monash University in Victoria) zitiert. Demnach hätte es auch keine Berichte über möglicherweise notwendige aussagekräftige Sicherheitstests an Labormäusen gegeben. Elan hatte das Vakzin zunächst an transgenen Mäusen erprobt. Dabei zeigte sich eine Immunantwort der Tiere nach der Impfung gegen das bei diesen genetisch veränderten Tieren vorkommende "menschliche" Beta-Amyloid.

Robinson: "Man beseitigt einfach in transgenen Mäusen das humane Amyloid aus ihrem Gehirn. Das Maus-Amyloid blieb intakt. Das ausschlaggebende Experiment wäre aber Folgendes gewesen: Man impft normale Mäuse gegen ihr Beta-Amyloid." Nur damit hätte man vor der Erprobung von AN-1792 eventuell drohende Nebenwirkungen schon bei den Tieren erkennen können.

Jetzt allerdings müssen die Wissenschafter dringend die Ursache der potenziellen Nebenwirkung von AN-1792 heraus finden. Denn wenn man die weiteren Impfungen hinausschieben müsste, könnte das die Studien wertlos machen. Eine andere mögliche Erklärung für die Probleme: Eine Virusinfektion der betroffenen Patienten. Zumindest in einem Fall konnte eine solche Infektion festgestellt werden. Endgültige Schlussfolgerungen gibt es aber noch nicht. (APA)

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