Ressels archimedische Schraube treibt seit 175 Jahren Schiffe an

5. Februar 2002, 10:52
1 Posting

Die am Heck angebrachte Schiffsschraube ist, von Optimierungen in der Formgebung abgesehen, bis heute unverändert in Verwendung

Wien - Seit 175 Jahren treibt die vom österreichischen Forstmann Josef Ressel (1793 bis 1857) erfundene archimedische Schraube Schiffe an. Die am Heck angebrachte Schiffsschraube setzt sich rasch gegen die bis dahin hauptsächlich verwendeten voluminösen Schaufelräder durch und ist - von Optimierungen in der Formgebung abgesehen - bis heute unverändert in Verwendung.

Ressels erste Prototypen waren noch kleine, mit Handbetrieb ausgestattete Boote. Am 11. Februar 1827 wurde ihm das österreichische Privilegium (Patent, Anm.) dafür erteilt. Finanzielle Probleme Ressels verhinderten vorerst weitere Patentierungen und Produktionen. Auf der Suche nach Geldgebern und Kunden für seine Erfindung verschlug es ihn bis nach Ägypten. Nach einer Probefahrt auf dem Nil mit einer - immer noch handbetriebenen - Schraube soll der ägyptische Vizekönig Mehmed Ali vier Schraubenboote bestellt haben, allerdings scheiterte die Sache an der Vorfinanzierung.

Versuchsschiff "Civetta"

Mit Hilfe des Triestiner Großhändlers Ottavio Fontana baute Ressel endlich das erste dampfbetriebene, 18 Meter lange Versuchsschiff "Civetta". Erstmals war seine Schraube - wie bis heute meist üblich - am Heck angebracht. Bei einer amtlichen Probefahrt 1829 barst nach einer halben Seemeile eine Dampfröhre, die "Civetta" musste in den Hafen zurückgeschleppt werden.

Obwohl der Schraubenantrieb klaglos funktioniert und mit dem Maschinendefekt nichts zu tun hatte, kündigte Fontana dem Erfinder die Unterstützung auf, die Triestiner Polizei verbot sogar weitere Versuchsfahrten. Während sich Ressel wieder seinem Beruf als Förster zuwandte, wurden seine Konzepte und Pläne, die er etwa bei Vorträgen präsentiert hatte, kopiert und verwirklicht. So musste er 1940 die Ankunft eines englischen Schraubendampfers in Triest erleben.

Ressels Erfindung arbeitet bis heute mehr oder weniger unverändert. Im Prinzip handelt es sich um meist drei bis sieben aus einer archimedischen Spirale herausgeschnittene Flügel mit einer Nabe als Mittelpunkt. Durch den tragflügelartigen Querschnitt saugen die Flügel an der Vorderseite Wasser an und stoßen es an der Rückseite nach hinten ab.

Ab einer gewissen Leistung und Geschwindigkeit gibt es allerdings Probleme mit der so genannten Kavitation. Dabei wird der Sog so stark, dass durch den Unterdruck das Wasser schlagartig verdampft, was den Wirkungsgrad der Schraube senkt, zu Vibrationen und höherem Verschleiß führt. Durch besonders schlanke, keilförmige Flügel kann dies vermieden werden. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.