Ryanair: Gewinnanstieg trotz Terror

5. Februar 2002, 17:51
posten

Analysten sehen irischen Billigflieger künftig im Konzert der großen Airlines Europas mitspielen

Dublin - Die in Deutschland expandierende irische Billigfluglinie Ryanair sieht nach einem Gewinnsprung im abgelaufenen Geschäftsquartal zunehmend Chancen, von der Krise der Luftfahrtindustrie nach dem 11. September zu profitieren. "Während die europäischen Fluggesellschaften mit hohen Tarifen Routen streichen und Dienstleistungen zurückfahren, eröffnen sich uns mehr und mehr Wachstumsmöglichkeiten", erklärte Ryanair-Chef Michael O'Leary am Dienstag. Zugleich kündigte der nach Marktkapitalisierung größte europäische Billigflieger die Ausgabe neuer Aktien zur Finanzierung seiner Expansion an. Nach Einschätzung von Analysten werden die Iren künftig im Konzert der großen europäischen Fluggesellschaften mitspielen.

Mehr Gewinn

Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2001/2002 verbesserte Ryanair den Gewinn nach Steuern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35 Prozent auf 28,8 Mill. Euro (396 Mill. S). Die durchschnittlichen Erträge pro Passagier seien allerdings um zehn Prozent zurückgegangen. Dies sei größtenteils auf die Tarifsenkungen unmittelbar nach dem 11. September zurückzuführen. Die operativen Kosten stiegen im dritten Quartal den Angaben zufolge um 15 Prozent und damit langsamer als der Umsatz. Die Auslastung der Maschinen habe auf 79 Prozent zugenommen, das Passagieraufkommen um 30 Prozent auf 2,7 Millionen Fluggäste.

In Deutschland hatten die Iren die Lufthansa mit vergleichender Werbung unter Druck gesetzt, gegen die sich die Kranichlinie juristisch zur Wehr setzte. Dabei war Ryanair per Gericht untersagt worden, den Flughafennamen "Frankfurt-Hahn" zu verwenden. Nach Angaben O'Learys will Ryanair vom Flughafen Hahn im Hunsrück aus, der rund 100 Kilometer von Frankfurt entfernt liegt, in Kürze sieben neue Routen fliegen.

Neue Maschinen

Das Unternehmen kündigte ferner an, bis zu 26 Mill. neue Aktien und damit rund 3,6 Prozent seines aktuellen Aktienkapitals an institutionelle Investoren in Europa auszugeben. Damit solle der Kauf von bis zu 100 neuen Boeing-737-800-Maschinen von Dezember 2002 bis Dezember 2008 finanziert werden.

Sprung an die Spitze

Analysten sehen Ryanair vor dem Sprung in die Spitze der europäischen Luftfahrtindustrie. Die Fähigkeit, Tarife, Flugstreckenauslastung und operative Kosten schnell den Änderungen des Marktumfelds anzupassen, ermögliche Ryanair eine starke Geschäftsentwicklung, hieß es in einer Expertenstudie von ABN Amro. Der Billigflieger hält seine Tarife niedrig, indem er Tickets über das Internet verkauft, die Bordverpflegung extra berechnet und Bodenzeiten für seine Flugzeuge verkürzt.

Die Ryanair-Aktien verloren am Dienstag an der irischen Börse in einem sehr schwachen Gesamtmarkt 7,47 Prozent auf 6,32 Euro. Analysten führten den Kursrutsch auf die geplante Aktienemission sowie Sorgen über die durchschnittlichen Erträge pro Passagier zurück. (APA/Reuters)

Share if you care.