Gennahrung unbedenklich, aber Sorgen bei Allergien

4. Februar 2002, 19:53
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Britische Akademie fordert eingehendere Prüfung

London - Die britische Akademie der Wissenschaften hat in einem am Montag publizierten Bericht den zugelassenen gentechnischen Nahrungsmitteln eine generelle Unbedenklichkeitserklärung ausgestellt, aber zwei Ausnahmen angemeldet: Bei Kleinkindern könnte die Nahrung möglicherweise zu erhöhten Allergieraten führen. Und die Testmethode für Gennahrung sei vermutlich unzureichend.

Die erste Sorge stützt sich darauf, dass Allergien gegen Soja - einer häufigen Genpflanze - in Großbritannien in einem Jahr um 50 Prozent gestiegen sind. Dabei geht es nicht darum, dass aus Versehen Allergieauslöser eingebaut werden wie einmal in den 90er-Jahren, als man ein Gen der Paranuss in Soja übertrug und gerade noch rechtzeitig vor der Markteinführung bemerkte, dass es ein Allergen war. Der Verdacht richtet sich vielmehr gegen weit verbreitete "Genfähren", Viren und Bakterien, mit denen Gene in Pflanzen eingeschleust werden. Sie gelten in der Agrarindustrie als sicher, weil sie auch in der Natur Pflanzen befallen, die dann verzehrt werden. Kritiker fürchten aber, dass bei der künstlichen Infektion andere Mechanismen wirken als bei der natürlichen.

Die Akademie teilt diese Befürchtungen insofern, als sie das bisherige Sicherheitskriterium infrage stellt, das der "substanziellen Äquivalenz": Eine Genpflanze gilt dann als sicher, wenn sie "im Wesentlichen gleichartig" mit ihren natürlichen Verwandten ist. Aber "wesentlich" sind nur die Hauptbestandteile - Kohlehydrate, Eiweiße und Fette -, andere Inhaltsstoffe bleiben unberücksichtigt. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. 2. 2002)

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