Lesenlernen als Marktnische

4. Februar 2002, 19:25
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Internet & Co. stellen die Leseerziehung vor neue Aufgaben - der Buchklub bietet Hilfen

Das Lesen hat im Zeitalter der neuen Medien einen neuen Stellenwert bekommen: War es in den 50er-Jahren in nur etwa 60 Prozent der Berufe von Bedeutung, so ist das Erfassen von Information mittlerweile zur Schlüsselqualifikation in fast jedem Job geworden.

"Allerdings ist heute eine ganz andere Form des Lesens gefragt", sagt Gerhard Falschlehner, Geschäftsführer des Österreichischen Buchklubs der Jugend. Das klassische, lineare Lesen - von links oben nach rechts unten - habe dem so genannten "Multitasking" Platz gemacht, bei dem es auf die schnelle, gleichzeitige Erfassung von Bild, Text und Geräuschen ankommt, wie man es auch zum Lesen von Webseiten braucht. "Gerade Kinder und Jugendliche beherrschen das oft schon besser als Erwachsene, da sie mit den neuen Medien aufwachsen und ihr Leseverhalten der Umwelt anpassen", weiß Falschlehner.

Für die Leseerziehung ist die moderne Lesekultur eine große Herausforderung, da sie neue Unterrichtsmethoden und vor allem Kreativität verlangt. Um die Lehrerinnen und Lehrer bei dieser Aufgabe zu unterstützen, bietet der Buchklub auf seiner Website didaktische Hilfsmittel für den multimedialen Unterricht von der Vorschule bis zur Oberstufe an. Sie sollen besonders jenen Pädagogen helfen, die noch Berührungsängste im Umgang mit dem Internet haben.

Entwicklungsland

"Wir arbeiten derzeit in einer Marktnische, denn die Leseerziehung im Netz ist noch ein großes Entwicklungsland", so Falschlehner. Der Schwerpunkt des Buchklub-angebots liegt auf der Verbindung von Buch und Internet: So wurden etwa die Jugendbuchreihe "Lilla Gorilla" und das Lesemagazin "Doppelklick" für die Älteren mit Reisen durch den Cyberspace ergänzt, zu denen man auch im Unterricht aufbrechen kann. Die Internetplattform "Lese-und Medienerziehung" auf der Website bietet Serviceseiten und Linklisten zum Thema, und zu allen Buchklubmedien gibt es online kindergerecht aufbereitete Seiten mit Ideen, die auch im Klassenzimmer eingesetzt werden können.

Dass Kinder durch den Einfluss der neuen Medien heute keine Bücher mehr lesen, hält Falschlehner für ein unsinniges Pauschalurteil: "Sie lesen nicht schlechter, sondern anders - man muss sie nur gezielter zum Buch hinführen." Harry Potter ist das beste Beispiel dafür. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. 2. 2002)

Von Isabella Lechner

Buchklub
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