Entwurf stammt aus der "Krone"

5. Februar 2002, 11:18
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Nächste Woche Gespräche über Reform

Wien - Kommende Woche beginnen die Trägerverbände des Presserates Verhandlungen über dessen Zukunft. Überraschend drohte der Zeitungsverband VÖZ zum Jahreswechsel mit Austritt. Der Verdacht der Journalistengewerkschaft, wer den Presserat neu für die Verleger konzipierte, hat sich erhärtet.

"Es ist ja kein Geheimnis", sagt Max Dasch auf Anfrage des STANDARD. Der bis Dezember 2001 amtierende Präsident des Zeitungsverbandes, zugleich Herausgeber der Salzburger Nachrichten: Verantwortlich für den Reformvorschlag waren "Doktor Swoboda und einige Anwälte". Ernst Swoboda ist Justitiar der Krone/Kurier-Tochter Mediaprint.

"Kein Problem

Das bestätigt die Faxkennung auf einem dem STANDARD vorliegenden Entwurf mit dem Titel "Verfahrensordnung der Beschwerdesenate des Österreichischen Presserates": "Mediaprint/Krone" steht auf dem. Die inhaltliche Stoßrichtung der vom Zeitungsverband geplanten Reform erinnert ebenfalls: Wie Krone-Chef Hans Dichand schon mehrfach anregte, sollten - möglicherweise pensionierte - Richter den Beschwerdesenaten vorstehen. Mit der Vorstellung solcher Juristen in diesen Presseratsgremien hat Dasch, weiterhin Mitglied des VÖZ-Präsidiums, "kein Problem".

Jedenfalls keines, das weiteres Fernbleiben des Kleinformats von dem Selbstkontrollorgan aufwiegen könnte: Beteilige sich Österreichs reichweitenstärkste Zeitung weiterhin nicht am Presserat und ignoriere dessen Entscheidungen, mache die Tätigkeit desselben wenig Sinn, meint Dasch.

Einigung bis Jahresmitte

Bis zur Jahresmitte wollen sich Zeitungen und Zeitschriftenverband, Journalistengewerkschaft und Presseclub Concordia nun über eine Reform einigen. Dass im Justizministerium schon Gesetzespläne bereitliegen, sollte die Selbstkontrolle wegfallen, bestätigt Dieter Böhmdorfers Sprecher Gerald Waitz nicht: "Davon ist mir nichts bekannt." (fid/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 5. Februar, 2002)

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