Nordkoreaner kommen nicht

5. Februar 2002, 15:04
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Angriffe des US-Präsidenten als inofizieller Grund

Salt Lake City - Entgegen einer Abmachung mit dem IOC wird sich Nordkorea nicht an den Winterspielen in Salt Lake City beteiligen. IOC-Generaldirektor Fran¸cois Carrard teilte mit, dass das Nationale Olympische Komitee (NOK) des Landes weder mit Athleten noch Funktionären vertreten sein wird. Das nordkoreanische IOC-Mitglied Ung Chang habe wegen einer Erkrankung abgesagt. Was nicht einmal der Herr Generaldirektor glaubt (natürlich inoffiziell).

Nicht nur in der IOC-Spitze wird vermutet, dass die überraschende Nichtteilnahme ziemlich direkt mit der Rede an die Nation von US-Präsident George W. Bush am vergangenen Dienstag in Verbindung gebracht werden kann. Dabei hatte Bush Nordkorea neben Iran und Irak einer "Achse des Bösen" zugeordnet, "welche den Weltfrieden bedroht". Zudem sagte der Präsident über das kommunistisch regierte Nordkorea, "dass es mit Raketen und Massenvernichtungsmitteln bewaffnet ist, während es gleichzeitig seine Bevölkerung verhungern lässt". Offiziell gab Carrard als Grund an, dass Nordkorea sich mit keinen Sportlern qualifiziert habe. Inoffiziell weiß er, das es damit nicht einmal am Rande zu tun hat.

Arm in Arm

Noch im Jänner hatte sich IOC-Präsident Jacques Rogge mit den NOKs von Nord- und Südkorea darauf geeinigt, dass die Sportler des geteilten Landes wie bei der Eröffnungsfeier 2000 in Sydney Arm in Arm einmarschieren. Falls sich kein Nordkoreaner sportlich für Salt Lake City qualifizieren würde, hätten Athleten aufgrund einer vom IOC vergebenen "Wild Card" an den Wettkämpfen teilnehmen können. Bei den letzten Winterspielen, 1998 in Nagano, waren acht Nordkoreaner an den Start gegangen. (red)

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 4.2. 2002)

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