Bau: Pleitekandidaten als Billigstbieter

5. Februar 2002, 12:45
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Treten Baumängel auf, sind Unternehmen im Konkurs

Wien - Billig ist bei weitem nicht immer besser - und der Billigstbieter nicht immer der Bestbieter: Die Landesinnung Bau der Wiener Wirtschaftskammer warnt nun eindringlich vor der "Schnäppchensucht" im Baugewerbe.

Der Vorgang wiederholt sich immer wieder: Konkursreife Unternehmen ziehen als Billigstbieter Aufträge an Land - treten dann später Baumängel auf, sind die Firmen "schon längst im Konkurs und über alle Berge". Und Hausherr, Verwalter und/oder Immobilienbesitzer schauen durch die Finger.

Derartige Praktiken ziehen "schon jetzt einen stetig länger werdenden Rattenschwanz von Gewährleistungs-Prozessen nach sich", erklärt Landesinnungsmeister Hans-Herbert Grüner. Die Anzahl der Verfahren im Zusammenhang mit mangelhaften Bauleistungen nimmt pro Jahr bereits um fünf bis sieben Prozent zu.

"Sub-Auftragsvergabe" macht Schwarzarbeit unkontrollierbar

Dazu kommt, dass die immer mehr um sich greifende Auftragsvergabe an Sub-Sub-Sub-Unternehmen Schwarzarbeit nahezu unkontrollierbar macht - was ebenfalls unseriöse Billigstangebote ermöglicht. "In Deutschland werden bereits auch Zollbeamte für Kontrollen auf Baustellen eingesetzt - aber bei uns fühlt sich keiner zuständig", erklärt Grüner im STANDARD-Gespräch. "Und Schwarzarbeit wird nur als Kavaliersdelikt angesehen."

Auch würden immer Wieder Scheinfirmen gegründet, "eine Ges.m.b.H. kriegt man ja heute schon um lächerliche 30.000 Schilling (2180 Euro). Oder man geht nach London und meldet dort eine limited (Ges.m.b.H., Anm.) an". Geht die Firma dann wie vorgesehen krachen, "ist halt dann das nächste Mal der Arbeiter der Chef und umgekehrt."

Das einzige Gegenmittel um derartige Praktiken von vorn herein zu unterbinden ist laut Grüner: "Den Bieterkreis bei Ausschreibungen nach strengen Qualitäts-Kriterien aussuchen, den Bestbieter statt den Billigstbieter zum Auftrag kommen lassen, handfeste Referenzen über Unternehmen und Projekte einholen und Preise in einem Nachfassgespräch vom Anbieter argumentieren lassen."

Die Landesinnung Bau startet jetzt jedenfalls eine "Qualitätsoffensive": Denn "wir müssen den Unternehmern helfen ihre Leistungen professionell zu vermarkten und sich gegen unseriöse Konkurrenz zu behaupten". Angeboten werden Vorträge, Schulungen und Seminare zur Anbotlegung, übersichtlichen Leistungs- und Pflichtendarstellungen, Mitarbeiterschulungen und Kundenkontakt für die Wiener Baumeister. (Roman Freihsl, Der Standard, Printausgabe, 05.02.02)

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