KPÖ-Proteste am Heldenplatz

4. Februar 2002, 20:17
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Kommunistische Partei für Enteignung des reichsten Mannes der Welt - Microsoft-Übermacht gefährde Demokratie

Heftige Kritik kam anlässlich des Wien-Besuchs Bill Gates von der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ). Bei einer Aktion am Wiener Heldenplatz rief die Partei dazu auf, Bill Gates zu enteignen und Microsoft unter UNO-Kontrolle zu stellen. Gates sei "Symbolfigur eines Wirtschaftssystems, das weltweit für Hunger, Elend und Tod verantwortlich" sei. Sein Vermögen sei größer als das Jahreseinkommen der ärmsten 31 Länder der Erde, sagte KPÖ-Frauenvorsitzende Heidi Ambrosch.

Soziales Gefälle

Die Einkommensschere zwischen dem reichsten und dem ärmsten Fünftel der Menschheit habe sich laut UNO seit 1960 von 30:1 auf 74:1 vergrößert. "Tagtäglich sterben Tausende Kinder in der Dritten Welt, weil sie über kein sauberes Trinkwasser verfügen. Wenn die 200 reichsten Personen dieser Welt jährlich ein Prozent ihres Reichtums abgeben würden, so könnte laut UNO das Problem der Trinkwasserversorgung weltweit gelöst werden. Bei Abgabe eines weiteren Prozents an Reichtum könnte der Zugang zur Grundbildung für alle erreicht werden", so Ambrosch.

Aktionismus

Ihre Kritik am Vermögen von Gates stellte die Partei am Montag auch in aktionistischer Form dar: Ein Aktivist badete - als Bill Gates verkleidet - in einer Wanne voller (nachgemachter) Dollar- und Euro-Scheine. Die Demonstranten skandierten dabei Parolen wie "Alt F4 - Ausstieg aus der Windows-Einbahnstrasse" oder "Freiheit für Daten durch Offene Software" und "Linux statt Windows".

Monopole

Aus der Marktdominanz von Microsoft, "das nicht davor zurückschreckt, sich mit großzügigen Wahlkampfspenden ganze Regierungen oder große Medien wie MSNBC zu kaufen", ergebe sich eine "Gefahr für die Demokratie". Mit dem Quasimonopol am Desktop hat Microsoft heute die Möglichkeit, zu kontrollieren, in welcher Art und Weise Millionen von Computerbenutzern ihre Informationen speichern, austauschen und verarbeiten können, sagte Franz Schäfer von der KPÖ, der für die Verwendung freier Software wie Linux eintrat.

Keine Almosen

Dass Bill Gates am Wochenende die "Auswüchse der Globalisierung" kritisiert hat, findet in der KPÖ wenig Anerkennung. Es gehe nicht um ein "Herumdoktern an Symptomen" oder "um Almosen, die Gates immer wieder für karitative Zwecke spendet". Ziel müsse es sein, die Strukturen zu verändern, "die es Konzernen wie Microsoft ermöglichen, jährlich Milliarden Dollar an Gewinnen einzufahren", meinte Ambrosch. (APA)

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