Militär in Nordnigeria alarmbereit

5. Februar 2002, 14:32
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Neue Ausschreitungen und Racheakte befürchtet - Rotes Kreuz meldet mindestens 100 Tote und über 400 Verletzte

Nairobi/Lagos - Nach dem Ausbruch ethnischer Unruhen in einem Vorort der nigerianischen Wirtschaftsmetropole Lagos war am Dienstag die Armee in Teilen des westafrikanischen Landes in Alarmbereitschaft. Nach Angaben des Roten Kreuzes sind mindestens hundert Menschen getötet worden. Mehr als 430 Menschen seien in den vergangenen vier Tagen wegen ihrer Verletzungen in Krankenhäusern behandelt worden, sagte der Präsident des nigerianischen Roten Kreuzes, Emmanuel Ijewere, am Dienstag in Lagos.

Dort war es wiederholt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Bevölkerungsgruppen der Haussa und der Yoruba gekommen. In der Vorstadt Mushin suchten Augenzeugen zufolge Soldaten nach mutmaßlichen Unruhestiftern.

Seit dem Ende der Militärdiktatur 1999 hat es in dem an Erdöl reichen Land immer wieder Kämpfe zwischen verschiedenen Volksgruppen gegeben. In Nigeria, das mit 110 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist, leben mehr als 250 ethnische Gruppen. Die am Samstag in Lagos ausgebrochenen Unruhen waren ein weiterer Schlag für das Land. Bei der Explosion eines Munitionsdepots in Lagos am 27. Jänner waren mindestens 1000 Menschen getötet worden.

Militär und Polizei versuchten gemeinsam die Ruhe in dem Bezirk wieder herzustellen. Doch blieb die Lage weiterhin gespannt. Zahlreiche moslemische Haussa flohen aus Angst vor der in der Stadt lebenden Mehrheit der Yorouba. Dem vornehmlich christlichen Volk, das überwiegend im Süden des Landes ansässig ist, gehört auch Staatspräsident Olusegun Obasanjo an.

In der nördlichen Stadt Kano trafen Lastwagen mit Soldaten ein, um die Situation zu überwachen. Dort waren im vergangenen Jahr Hunderte von Menschen bei ethnischen und religiösen Ausschreitungen ermordet worden. (APA/dpa)

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