Ein Nationalpark als multiples Forschungsgelände

4. Februar 2002, 14:41
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Salzburg - Wie verändert sich eine Gebirgsregion, wenn Almen nicht mehr bewirtschaftet werden? Welche Auswirkungen hat es, wenn bestimmte Tierarten nicht mehr bejagt werden? Wie sieht es mit dem Zustand von Gewässern aus? Werden Gletscher größer oder kleiner? All das sind Fragestellungen, die im Rahmen von Untersuchungsprojekten im Nationalpark Hohe Tauern behandelt werden. Forschung habe im Nationalpark einen hohen Stellenwert, erklärte Salzburgs Landeshauptmann Franz Schausberger am Montag bei einem Pressegespräch.

Rund 109.009 Euro stehen alljährlich für Forschungsprojekte über das Schutzgebiet zur Verfügung. "Nicht der Nationalpark ist für die Forschung da, sondern die Forschung für den Nationalpark", stellte Schausberger klar. Die Forschungsprojekte sollten auch das Verständnis für das Schutzgebiet in der Bevölkerung erhöhen.

Langzeitstudien

Unter den Projekten finden sich auch viele Langzeitstudien wie etwa jene über die Entwicklung des Klimas oder der Gletscher. Dabei gibt es Messreihen mit einer mehr als 100 Jahre langen Tradition und großer Aussagekraft. Keine kurzfristigen Veränderungen auf Flora und Fauna hat ein Beobachtungsprojekt über den Rückgang der Almwirtschaft ergeben, sagte Schausberger. Besonders wichtig seien wissenschaftliche Begleitprogramme bei der Anpachtung von Jagdrevieren durch den Nationalpark.

Dass Rauhfusshühner und Murmeltiere in diesen Gebieten nicht mehr bejagt werden, muss auch durch Forschungsprojekte aufbereitet werden. Ziel sind wissenschaftliche Grundlagen für eine nationalparkgerechte Jagd, die wiederum für die angestrebte internationale Anerkennung des Salzburger Anteils des Nationalparks Hohe Tauern bedeutend ist.

Konsequenzen

Die Ergebnisse der Forschung fließen in konkrete praktische Maßnahmen ein: So wird beispielsweise das Fördersystem künftig darauf Rücksicht nehmen, dass die traditionelle Almwirtschaft erhalten bleibe, kündigte der Leiter der Nationalparkverwaltung, Harald Kremser, an. Bei den Krimmler Wasserfällen haben Forschungsprojekte ergeben, dass mehr Totholz für die dortige reichhaltige Moosflora wichtig wäre. Deshalb wird künftig der eine oder andere alte Baumstamm als Lebensraum für Moose bei den Krimmler Wasserfällen liegen bleiben, sagte Kremser.

In Kürze soll ein neues Forschungsprojekt gestartet werden: Das "Biodiversitätsarchiv des Nationalparks Hohe Tauern" wird eine Art ökologische Inventur in dem Schutzgebiet angehen, kündigte Schausberger an. (APA)

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