Amerikanischer "Jahrhundert-Betrüger" neuerlich in Wien verhaftet

4. Februar 2002, 17:07
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Schwager stellte 20-Millionen-Kaution zur Verfügung - Justiz gibt sich damit nicht zufrieden

Wien - Weil sich die Justiz mit der vom Schwager hinterlegten Kaution in Form einer Bankgarantie über 20 Millionen Schilling (1,45 Mill. Euro) nicht zufrieden gibt, ist am vergangenen Freitag der in den Vereinigten Staaten als "Jahrhundert-Betrüger" zu 845 Jahren Haft verurteilte Shalom Weiss neuerlich in Wien verhaftet worden. Laut rechtskräftigem US-Urteil soll der 48-jährige ehemalige Klomuschel-Fabrikant zu Beginn der neunziger Jahre mit gefälschten Schecks eine Versicherungsgesellschaft gekauft und danach die Konten tausender Pensionisten in Florida geplündert haben. Gesamtschaden: Umgerechnet 7,4 Milliarden Schilling (538 Mill. Euro).

Nach dem drakonischen US-Urteil war Weiss Richtung Europa untergetaucht, worauf ihn das FBI auf die Liste der zehn meist gesuchten Verbrecher setzte. Im Oktober 2000 erwischte man ihn bei seiner Geliebten in Wien. Die Vereinigten Staaten bemühten sich seither um seine Auslieferung, die das Wiener Oberlandesgericht (OLG) allerdings mit dem Hinweis auf die Menschenrechtskonvention ablehnte: Weiss hätte sich bei seinem Prozess nicht persönlich verantworten können, wurde bemängelt.

Ein so genanntes Inlandsverfahren wurde in Gang gesetzt, d.h. die Causa soll hier zu Lande neuerlich angeklagt und von einem Schöffensenat verhandelt werden. Im Fall eines Schuldspruchs stünden Weiss diesmal maximal zehn Jahre Haft ins Haus - das ist in Österreich die Höchststrafe für gewerbsmäßigen schweren Betrug.

Da sich die Ermittlungen hinzogen, wurde Weiss im Oktober 2001 gegen Hinterlegung einer Kaution - verbunden mit der Auflage, das Land nicht zu verlassen und wöchentlichen Kontakt zum Gericht zu halten - enthaftet. Er hat diese Bedingungen auch streng eingehalten. Dennoch hat das OLG jetzt der Staatsanwaltschaft Recht gegeben, die sich gegen die Enthaftung beschwert hatte.

Dubiose Herkunft der Kaution

Dem Obergericht erscheint offensichtlich die Herkunft der Kaution dubios. "Um diese zu akzeptieren, muss feststehen, dass es sich dabei nicht um Geld handelt, das möglicherweise aus strafbaren Handlungen stammt", erklärte dazu Oberstaatsanwalt Helmuth Seystock am Montag im Gespräch mit der APA. Eine "glaubhafte Bescheinigung der Redlichkeit" sei unabdingbar, bemerkte Seystock.

Aufgebracht hatte die Millionen der Schwager des 48-Jährigen, teils aus Eigenmitteln, teils über einen Bankkredit. "Dabei ist alles korrekt gelaufen. Die Bankbestätigungen und Kreditverträge wurden auch dem Gericht vorgelegt. Die zuständige U-Richterin und die Staatsanwaltschaft haben alles überprüft", sagte Manfred Ainedter, der Wiener Rechtsbeistandort von Shalom Weiss. Er will beim Obersten Gerichtshof (OGH) eine Grundrechtsbeschwerde gegen die OLG-Entscheidung einbringen.

Vorerst bleibt der 48-Jährige jedenfalls in U-Haft. Wann es zu einer rechtskräftigen Anklage und einer allfälligen Verhandlung kommen wird, steht in den Sternen: Streng genommen müsste nämlich das gesamte US-Verfahren wiederholt, die dort befragten Zeugen zumindest im Rechtshilfeweg einvernommen und die sonstigen Beweismittel geprüft werden. "Unter Umständen könnte man es aber schneller haben und sich mit Verlesungen begnügen, wenn beide Seiten damit einverstanden sind", sagte Oberstaatsanwalt Seystock. (APA)

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