Korrupte Instrumente des Staates fördern Frauenhandel

5. Februar 2002, 10:08
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Frauenrechts-
AktivistInnen aus 30 Ländern diskutierten in Wien über Rolle der Polizisten, Richter und anderen

Wien - Korrupte Polizisten, Richter, Zöllner und Beamte mancher Staaten sowie auch Mitglieder internationaler Organisationen würden den Frauenhandel fördern, indem sie mit Menschenhändlern kooperierten und sich bestechen ließen. Diesen Vorwurf erhob die stellvertretende Leiterin der Internationalen Helsinki Föderation für Menschenrechte (IHF), Brigitte Dufour, am Montag in Wien. Am Wochenende hatte das IHF Frauenrechts-AktivistInnen aus über 30 Staaten nach Wien geladen, um über diese Probleme zu diskutieren.

Immer wieder neue Vorfälle

Im Rahmen dieses Treffens stand insbesondere die Rolle der staatlichen Behörden beim Menschenhandel im Mittelpunkt, sagte Dufour. Die Teilnehmerinnen berichteten insbesondere über die Korruption in verschiedenen Staaten. So wurde etwa jener Vorfall in Serbien im vergangenen Monat kritisiert, bei dem elf junge Frauen aus Bordellen befreit wurden. Allerdings wären diese Frauen in Gewahrsam genommen worden, obwohl die Polizei die Verpflichtung gehabt hätte, sie in eine bestehende Herberge zu bringen, so die IHF-Vizechefin.

Üblicherweise würden bei solchen Vorfällen die Frauen etwa 15 bis 30 Tage in Haft bleiben, bevor sie an die Grenze ihres Heimatstaates gebracht werden. Aber auch da würden sie wieder in Gefahr geraten, erneut in den Menschenhandel zu geraten, betonte Dufour. Auch in Bulgarien, Moldawien und der Ukraine gebe es Fälle, wo Polizisten Bestechungsgelder von jenen verlangt hätten, die den Frauenhandel untersuchen wollten.

Kooperationen zwischen Exekutive und Händlern

Manche Polizisten würden dann behaupten, dass sie diese Gelder für die Kontaktaufnahme mit der Interpol benötigten. "Die Polizei ist oft in Kollusion mit kriminellen Händlern", betonte Dufour. So würden Polizisten auch Frauen dazu zwingen, "zurück in die Bordelle zu gehen, von denen sie geflüchtet sind, indem sie sexuelle Begünstigungen und Bestechungsgelder für solche Kooperationen mit den Händlern bekommen".

Kritisiert hat Dufour auch die Gerichte in "vielen postkommunistischen Staaten". Hier würden oft angeklagte Frauenhändler nicht in Gewahrsam genommen, während andere Kriminelle für weit geringere Straftaten verhaftet würden, kritisierte Dufour. Im Rahmen des Treffens am Wochenende arbeiteten die Teilnehmerinnen in verschiedenen Arbeitsgruppen auch "Vorschläge" für künftige Informations- und Bildungskampagnen oder künftige Kooperationen zwischen nichtstaatlichen Organisationen und internationalen Organisationen, insbesondere der OSZE, aus.
(APA)

Internationale Helsinki Föderation für Menschenrechte: Homepage der Organisation
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