Den Traum des humanen Sozialismus nie ausgeträumt

4. Februar 2002, 13:49
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Stefan Heym: Die Berliner Akademie der Künste ehrte den im Dezember verstorbenen Autor

Berlin - Als "wichtigsten Schriftsteller" im Nachkriegsdeutschland hat der Autor Johannes Mario Simmel den jüngst verstorbenen Kollegen Stefan Heym bezeichnet. Heyms Autobiografie "Nachruf" sei das bedeutendste deutsche Buch nach 1945, sagte Simmel auf einer Ehrung für den Mitte Dezember gestorbenen Heym am Sonntagabend in der Berliner Akademie der Künste. Als Jude und Sozialist sei Heym ein "Rebell aus Gewissenszwang" gewesen, sagte Simmel in Anwesenheit von Heyms Witwe Inge.

Wichtigster oppositioneller Schriftsteller in der DDR

Heym war am 10. Dezember im Alter von 88 Jahren während einer Reise in Israel gestorben. Der in Chemnitz geborene Schriftsteller galt wegen seiner regimekritischen Haltung als einer der wichtigsten oppositionellen Schriftsteller in der DDR. Mit seinen Büchern wurde er zu einer Symbolfigur des geistigen Widerstands in der DDR. Zu seinen wichtigsten Werken zählen der Bericht "Fünf Tage im Juni" über den Aufstand am 17. Juni 1953 in Ost-Berlin und "Der König David Bericht", eine Abrechnung mit dem Stalinismus.

Der DDR "die Maske vom Gesicht gerissen"

Heym habe der DDR "die Maske vom Gesicht gerissen", sagte Simmel, ein langjähriger Freund des Schriftstellers. Er habe den Traum eines humanen Sozialismus jedoch nie aufgeben.

Der Schriftsteller Christoph Hein würdigte Heym als "Kronzeugen" der deutschen Geschichte. Heym sei nicht bereit gewesen, die Irrungen und Verbrechen in der DDR zu entschuldigen, sagte Hein. An der Lesung aus Heyms Texten beteiligten sich auch die Schriftsteller Heinz Knobloch, Ulrich Plenzdorf sowie Ann Kathrin Burger in Vertretung der erkrankten Christa Wolf. (APA/dpa)

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