Österreichischer Festnetzmarkt schrumpft wegen Preisverfalls

4. Februar 2002, 13:14
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Österreich bei Festnetztarifen im OECD-Mittelfeld

Der österreichische Markt für Festnetztelefonie schrumpft. Während es von 1997 auf 1998 auf dem österreichischen Festnetz-Telekommarkt noch einen Umsatzzuwachs von 3,6 Prozent auf 2 Milliarden Euro gab, sank der Festnetzumsatz 1999 um 3,4 Prozent und im Jahr 2000 weiter um 8,7 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro (24,9 Milliarden Schilling). Dieser Rückgang sei weniger auf die leicht rückläufigen Verkehrsmengen, sondern vielmehr auf den starken Preisverfall zurückzuführen, heißt es im Telekom-Bericht 2000 der Rundfunk & Telekom-Regulierungs GmbH (RTR).

Im Mittelfeld

Im OECD-Vergleich liegt Österreich bei den Privat- und Geschäftskundentarifen im Inland genau im Mittelfeld. Am teuersten ist das Telefonieren im Festnetz in Polen, Ungarn und Portugal, am billigsten in Island, Korea, Schweden, Großbritannien, Dänemark, Finnland und Norwegen.

Marktbeherrschung

Noch sehr gering ist in Österreich der Anteil der Kunden, die nicht über das Netz der Telekom Austria (TA) telefonieren. 92 Prozent der österreichischen Telefon-Kunden hatten im September 2001 einen TA-Anschluss, die restlichen 8 Prozent entfallen auf die Telekabel-Telefonsparte Priority sowie Kundenanschlüsse von einzelnen Unternehmen, berichtete Telekom-Regulator Heinrich Otruba am Freitagabend vor Journalisten. Die Zahl der Kunden TA-Kunden mit Betreibervorauswahl, die alle Gespräch automatisch über ein Netz eines alternativen Anbieters leitet, lag im März 2001 bei rund 240.000.

Zahlen

Der Marktanteil der TA lag im September 2001 - gemessen nach Gesprächsminuten - im Festnetz in der Lokalzone bei 60 Prozent, in der Fernzone hingegen nur mehr bei 46 Prozent. Die TA liege bei vielen Gesprächstarifen preislich noch immer über den alternativen Mitbewerbern, stellte Otruba fest.

Wachstum

Der österreichische Mobilfunkmarkt ist im Jahr 2000 laut Telekom-Bericht weiter gewachsen, die Umsätze aller vier Betreiber (Mobilkom Austria, max.mobil, One und tele.ring) stiegen von 1,23 Milliarden Euro auf 1,84 Milliarden Euro. Im März 2001 gab es 6,4 Millionen Handykunden (aktivierte SIM-Karten), was einer Marktdurchdringung von 78 Prozent entspricht. Fast die Hälfte der Handygespräche finden im eigenen Betreibernetz statt, auf Grund der hohen Kosten gehen nur wenige Gespräche in andere Mobilfunknetze, bemerkte Otruba.

Das Festnetz leidet

Die Mobilfunktelefonie substituiere die Festnetztelefonie nur in geringer Weise, insgesamt würden die Ausgaben der Österreicher für Telefonie steigen, so Otruba: "Das Festnetz hat durch den Mobilfunk nicht gelitten". Allerdings würden die Festnetzumsätze zunehmend durch steigende Internet-Surfminuten angereichert.

Internet

Der Internetbereich ist in Österreich im Aufwind, zwischen Ende 1996 und Anfang 2001 hat sich die Zahl der Internetuser vervierfacht. Nach Berufsgruppen surfen Studenten mit 90 Prozent am meisten im Internet, gefolgt von leitenden Angestellten, selbstständig Erwerbstätigen und Angestellten in nicht leitender Position. Nur wenig genutzt wird das Internet von Hausfrauen (21 Prozent) und Pensionisten (8 Prozent).

Gesellschaftliche Kluft befürchtet

Das Internet biete die Gefahr eines "Digital Divide", einer gesellschaftlichen Kluft, betonte Otruba. Es zeige sich zunehmend, dass Einkommensschwache sowie ältere Menschen das Internet nicht nutzen: "Die Politik wird sich dieser Sache annehmen müssen, damit sich hier nicht eine Schere auftut", so Otruba. (APA)

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