Heilende Magnetfelder?
Sportmediziner Paul Haber gibt Antwort

11. Februar 2002, 12:25
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Trotz fehlender wissenschaftlicher Beweise sind viele Ärzte davon überzeugt, dass ein Einsatz der Magnetfeldtherapie durchaus sinnvoll ist. Im Interview mit mymed.cc: Der Wiener Sportmediziner Prof. Paul Haber.

Das Interview führte Peter Seipel

mymed: Herr Professor Haber, der Magnetfeldtherapie werden wahre Wunderwirkungen bei der Heilung von Sportverletzungen nachgesagt. Gibt es dafür objektive wissenschaftliche Beweise?

Haber: Leider bisher noch nicht. Ich höre aber immer wieder von Kollegen, dass die Magnetfeldtherapie durchaus günstige Wirkungen hat. Das sind auch nicht lauter Alternativ-Freaks, die das behaupten, sondern durchaus renommierte Ärzte. Gute Erfolge mit der Magnetfeldtherapie sollen im Bereich der Schmerzbekämpfung und beim Abschwellen von Entzündungen erzielt werden. Möglicherweise ist der therapeutische Erfolg dieser Therapie auf einen Placebo-Effekt zurückzuführen. Das wäre aber kein Gegenargument, denn der Einsatz von Placebos ist heute ja gang und gäbe.

mymed: Verletzungen von Sehnen und Bändern zählen zu den langwierig ausheilenden Sportverletzungen. Kann die Magnetfeldtherapie da helfen?

Haber: Obwohl es noch keine Studie gibt, die das belegt, schließe ich einen positiven Effekt nicht aus. Ich würde daher keinem Patienten davon abraten, es einmal mit der Magnetfeldtherapie zu versuchen, und keinem Arzt unethisches Verhalten vorwerfen, der diese Therapie anwendet. Schließlich gilt immer noch das Motto: Wer heilt, hat recht.

mymed: Wie geht die Schulmedizin bei derartigen Verletzungen vor, von denen gerade jetzt im Winter viele Schifahrer betroffen sind?

Haber: Am wichtigsten ist es, sofort nach der Akutphase mit der Mobilisierung und der Kräftigung der Muskeln zu beginnen. Da gibt es spezielle Schienen, die dem betroffenen Gelenk einen Spielraum für langsame kontrollierte Bewegungen erlauben. Es ist wichtig, konsequent zu trainieren, denn der einseitige Muskelabbau am verletzten Körperteil führt zu einer grundlegenden Störung des Bewegungsablaufes. Das ist nicht nur für Spitzensportler problematisch, sondern betrifft ebenso die Hobbysportler. Ein anderes Verfahren zur Kräftigung der Muskeln setzt schwache elektrische Ströme ein, die über Elektroden den Muskel zu Kontraktionen anregen. Damit kann auch der Muskelaufbau bei Menschen gefördert werden, die an einer schweren chronischen Herzinsuffizienz leiden und schon bei leichter Bewegung außer Atem kommen.

mymed: Im Werbefernsehen werden derartige Geräte für den gezielten Fettabbau an sogenannten Problemzonen angeboten. Kann das funktionieren?

Haber: Das ist leider ein großer Irrtum. Denn das Fett wird nicht an den Stellen abgebaut, an denen eine Muskelpartie zu Kontraktionen angeregt wird. Der Fettauf- und abbau folgt immer dem ganz individuellen Fettverteilungstypus. Es kann also sein, dass jemand mit einem dicken Bauch nach einer Diät zuerst im Gesicht abnimmt. Entscheidend für einen Gewichtsverlust ist ausschließlich der Gesamtenergieverbrauch des Körpers. Die Muskelkontraktionen, die durch ein Schwachstrom-Trainingsgerät ausgelöst werden, verbrauchen aber weniger Energie, als man mit drei Stück Würfelzucker zu sich nimmt.

mymed: Herr Professor, wir danken für das Gespräch!



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