Vier Palästinenser bei Explosion im Gaza-Streifen getötet

4. Februar 2002, 13:53
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Israel wird der gezielten Tötung beschuldigt - Israelischer Rundfunk: Explosion war "Arbeitsunfall"

Gaza/Jerusalem - Vier Mitglieder einer militanten Palästinenser-Organisation sind am Montagmorgen in der Stadt Rafah im Süden des Gaza-Streifens bei der Explosion ihres Autos getötet worden. Zunächst war unklar, ob die Explosion durch eine Bombe ausgelöst wurde, oder ob es sich dabei um eine gezielte Liquidierung durch die israelische Armee gehandelt hat. Zur Zeit der Explosion wurden über dem Gebiet israelische Kampfhubschrauber gesichtet, hieß es in ersten Berichten. Nach palästinensischen Angaben gehörten die Männer einer Widerstandsgruppe an.

Stunden zuvor hatten Hubschrauber der israelischen Luftwaffe ein Gebäude im palästinensischen Flüchtlingslager Jabalia angegriffen, in der nach Angaben der Armee Mörsergranaten produziert wurden. Nach palästinensischen Angaben handelte es sich jedoch um eine Goldschmiede. Die Hubschrauber feuerten fünf Raketen auf das Haus ab, das weitgehend zerstört wurde. Nach Angaben eines Sprechers reagierte die Armee damit auf einen palästinensischen Angriff mit Mörsergranaten auf eine jüdische Siedlung im Süden des Gaza-Streifens.

Die Stadtverwaltung von Jerusalem ließ am Montag wieder zwei Häuser von Palästinensern in Ostjerusalem niederreißen, die nach offiziellen Angaben ohne Genehmigung errichtet wurden. Insgesamt hat die Stadtverwaltung in den vergangenen Wochen bereits 15 Häuser von Arabern zerstört. Ostjerusalem gehört völkerrechtlich nicht zu Israel, sondern ist besetztes Gebiet. Menschenrechtsorganisationen haben die israelischen Zerstörungsaktionen kritisiert, weil die Stadtverwaltung es Palästinensern praktisch unmöglich mache, Baugenehmigungen zu erhalten.

DFLP beschuldigt Israel der gezielten Tötung

Die radikale PLO-Teilorganisation "Demokratische Front für die Befreiung Palästinas" (DFLP) von Nayef Hawatmeh hat Israel am Montag beschuldigt, vier ihrer Mitglieder im Gaza-Streifen gezielt getötet zu haben. Die am Montag in ihrem Auto getöteten Palästinenser hätten der Brigade des nationalen palästinensischen Widerstand angehört, dem bewaffneten Arm der DFLP, angehört, hieß es in einer Erklärung der Organisation. Darin kündigte sie Rache für den Tod ihrer Mitglieder an.

Im israelischen Rundfunk hieß es, die vier Autoinsassen seien bei einem "Arbeitsunfall" ums Leben gekommen. Mit diesem Terminus umschreibt die israelische Seite gewöhnlich die vorzeitige Explosion einer von militanten Palästinensern gefertigten oder transportierten Bombe.

Die DFLP ging aus einer Abspaltung von der marxistischen "Volksfront für die Befreiung Palästinas" (PFLP) hervor, die am Samstag aus dem Exekutivkomitee der Palästinensischen Befreiungsorganisation ausgetreten ist. Zuvor hatte sie der palästinensischen Autonomiebehörde unter Präsident Yasser Arafat nach der Festnahme ihres Anführers Ahmad Saadat mit einer "totalen politischen Konfrontation" gedroht. Die Festnahme von Saadat könne zu einer Konfrontation zwischen der Palästinenserverwaltung und der gesamten palästinensischen Bevölkerung führen, erklärte die radikale Organisation. Saadat war Mitte Jänner in Ramallah im Westjordanland von palästinensischen Sicherheitskräften festgenommen worden. Bei Saadat handelt es um den bisher ranghöchsten Palästinenserführer, den die Autonomiebehörde nach eigenen Angaben festnehmen ließ.

Die PFLP hatte sich zu dem Mord an dem ultrarechten israelischen Tourismusminister Rehavam Zeevi bekannt, der im Oktober zu einer Eskalation der Gewalt im Nahen Osten geführt hatte. Die Festnahme Saadats war eine der Bedingungen Israels für eine Entspannung im Nahost-Konflikt. Die israelische Armee hatte im vergangenen August den PFLP-Chef Abu Ali Mustafa durch einen Raketenangriff in Ramallah gezielt getötet. Mustafa hatte im Jahr 2000 den PFLP-Gründer Georges Habash, einen langjährigen Gegenspieler Arafats, an der Spitze der 1967 gegründeten Organisation abgelöst. Arafat hatte den militärischen Arm der PFLP im vergangenen Oktober verboten. (APA/dpa)

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