Globalisierung à la USA

3. Februar 2002, 21:12
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Kritik an der Handelspolitik der Vereinigten Staaten

New York - Kritische Stimmen gegen die Handelspolitik der USA, aber auch Europas, haben am Wochenende das World Economic Forum bestimmt. Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Horst Köhler, warf den USA vor, ihre Agrar- und Textilindustrie mit nicht mehr zeitgemäßen Subventionen und Zollbarrieren zu schützen. Damit werde den armen Staaten verwehrt, sich an der Globalisierung zu beteiligen.

Microsoft-Boss Bill Gates und U2-Rockstar Bono forderte die reichen Länder auf, der Dritten Welt vor allem bei Bildung und Gesundheit mehr zu helfen, um Probleme wie Aids zu lösen. Eine Demonstration Tausender Globalisierungsgegner verlief friedlich.

Neues Muster der Kritik

Nicht um das Phänomen einer globalen Wut gehe es, sondern um Muster der Kritik an der Globalisierung, die erklären können, was am 11. September zur Terrorattacke auf New York und Washington geführt hat. Der renommierte französische Politologe Zaki Laïdi präsentierte in New York eine Auflistung der Phänomene.

Laïdi unterscheidet zwischen einer Kritik am "globalen Kapitalismus" und der Kritik an den USA. Der Neokapitalismus schwäche die ärmeren Länder in dreifacher Weise. Er reduziere die Chancen des Demokratieaufbaues, er senke die sozialen Niveaus, weil zu viel Kapital exportiert werde und er fördere den privaten Reichtum weniger.

Daraus resultierten zwei Trends: Die wachsende finanzielle Mobilität der Märkte favorisiere den Norden, die gleichzeitig zunehmende Mobilität der Arbeitskräfte aber führe zu einem Abfluss von Qualifizierten aus dem Süden. Laïdi plädierte dafür, diese "Wut" nicht generell als Antiamerikanismus zu verstehen.

Die Kritik richte sich vor allem gegen die US-Politik, was in etlichen Diskussionen zum Ausdruck kam. Der Hauptvorwurf: Globalisierung sei in den Augen amerikanischer Player nur dann sinnvoll, wenn sie auch nach US-Vorstellungen verlaufe. (DER STANDARD, Print, 4.2.2002)

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