Die "Charta 77"

3. Februar 2002, 20:52
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Nach Repressalien gegen die Underground-Band "Plastic People Of The Universe" wurde im Jänner 1977 die Bürgerrechtsbewegung Charta 77 gegründet: Die rund 250 Prager Bürgerrechtler um den Regimekritiker und späteren Präsidenten Václav Havel forderten mehr demokratische Rechte. Sie waren die Ersten, die sich kritisch mit der Vertreibung der deutschen Minderheit aus der Tschechoslowakei befassten. Das Hauptziel der Charta 77: die Verteidigung der in der KSZE-Schlussakte von Helsinki festgeschriebenen, von den Kommunisten missachteten Menschenrechte.

Nach Gründung der Charta 77 wurde eine von Havel verfasste Resolution in Umlauf gebracht, die CSSR-Regierung müsse Menschen- und Bürgerrechte respektieren. Es folgten Festnahmen, Bedrohungen und Ausbürgerungen. Die Charta wurde zur wichtigsten Widerstandsgruppe, zum Vorreiter des Demokratisierungsprozesses in Osteuropa. Bis zur Wende 1989 schlossen sich der Charta 1883 Intellektuelle und Künstler an.

Nach der "Sanften Revolution" traten Meinungsunterschiede unter den Charta-Mitgliedern zutage. Die Charta 77 wurde noch zur Trägerin der demokratischen Wende, aus ihr gingen die ersten Politiker hervor. Im November '92 sah die Bewegung ihre "historische Mission" erfüllt und löste sich auf. Die meisten ehemaligen Charta-Mitglieder sind von der politischen Bühne Tschechiens verschwunden. (red/DER STANDARD, Print, 4.2.2002)

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