Wege aus dem Terror

3. Februar 2002, 19:27
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Interpol wehrt sich gegen zu geringe Mittelausstattung

New York - Rudolf Giuliani, der durch die Ereignisse vom 11. September zum Symbol gewordene frühere Bürgermeister von New York, spricht beim World Economic Forum eine alte Erfahrung an: "Wir werden erneut attackiert werden, wenn wir gleichgültig und selbstzufrieden werden." Er rechnet damit, dass Attacken dann mit biologischen oder chemischen Waffen geführt würden.

Auf die Frage, ob auch atomare Attacken denkbar seien, antwortete der ehemalige US-Senator Sam Nann, dass das heutige Atomarsenal unter relativ guter Kontrolle stehe, dass es aber unkontrolliert viele Private gebe, die über chemische und biologische Waffenpotenziale verfügten.

In einer Debatte zu der Frage, wie man Terror künftig vermeiden könnte, kritisierte der Interpol-Chef Ronald K. Noble die Diskrepanz zwischen den politischen Appellen und der Faktenlage. "Wir sind bereit, die Militärbudgets dramatisch zu erhöhen. Wir geben ohne viel Widerstand Hunderte Millionen für olympische Spiele aus. Aber alle 179 Staaten, die zur Interpol gehören, zahlen nach wie vor nicht mehr als 25 Millionen Dollar für jene Polizisten, die im Rahmen der Interpol weltweit zur Terrorbekämpfung eingesetz sind", sagte Noble.

Immer mehr Verrückte

Als in einer Mittagsrunde, die sich eigentlich mit Zukunftsfragen der Wirtschaft befasste, auch das Terrorproblem aufkam, wandte sich Carly Fiorina, Chefin des Computerkonzerns Hewlett Packard und Betreiberin der Fusion mit Compaq, gegen die These, am 11. September sei "das Undenkbare geschehen". Fiorina meinte, wir lebten in einer Welt "mit immer mehr Verrückten".

Da genau diese Leute Zugang zu Massenvernichtungswaffen hätten, seien die Terrorattacken sehr wohl vorhersehbar gewesen. Umso mehr, fügte sie in Gesprächen hinzu, als die Autoren etlicher Hollywoodfilme solche Szenarios erdacht und realisiert hätten. Nicht dass all das Schreckliche neu gewesen wäre, habe den Schock ausgelöst, sondern dass es uns tatsächlich getroffen habe. (Gerfried Sperl, Der Standard, Printausgabe, 04.02.2002)

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