Bundeskartellamt äußert erneut Bedenken gegen Kabel-Kauf durch Liberty

3. Februar 2002, 16:17
posten

Chancen auf Verbesserungsvorschläge vorhanden

Der Präsident des Bundeskartellamtes, Ulf Böge, hat erneut seine Bedenken gegen den Kauf der Fernsehkabelnetze der Deutschen Telekom durch Liberty Media geäußert, dem US-Konzern aber weiterhin die Möglichkeit für Verbesserungsvorschläge eingeräumt. Die Hauptbedenken der Behörde lägen nicht im Programmbereich, sagte Böge in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". "Im Zentrum unserer Bedenken steht der von Liberty beabsichtigte Kauf weiterer Betreiber auf der sogenannten Netzebene 4 - also den letzten Metern von der Grundstücksgrenze zum Fernsehgerät", sagte er. Es bestehe die Gefahr, sollte Liberty zum Zug kommen, dass der Endkunde nicht von Liberty wegkäme.

Keine Genehmigung

Das Bundeskartellamt hatte den US-Konzern, der für 5,5 Milliarden Euro (75,7 Milliarden Schilling) rund 60 Prozent des regionalen Fernsehkabelnetzes der Telekom übernehmen will, in der vergangenen Woche abgemahnt. Unter den derzeitigen Bedingungen könnte die Übernahme nicht genehmigt werden, weil sie die Markt beherrschende Stellung Libertys verstärken würde, hatte es geheißen. Die Abmahnung bedeute aber noch keine endgültige Entscheidung. "Die Prüfungsfrist läuft zwar am 28. Februar ab. Doch sie kann auf Wunsch des Unternehmens verlängert werden - wofür ich aber keine Anhaltspunkte habe", sagte Böge in dem Interview mit der Zeitung. Vorschläge, um doch noch eine Genehmigung mit dem Kartellamt erzielen zu können, müssten von Liberty kommen. "Vielleicht fällt Liberty ja noch etwas ganz anderes ein - die Unternehmen kennen den Markt viel besser als wir", sagte er. In der vergangenen Woche hatte er bemängelt, dass Liberty bis dahin keine Verbesserung des Wettbewerbs in anderen Bereichen nachgewiesen habe, die die Nachteile im Kabelmarkt überwiegen würden. Die erzielten Fortschritte auf dem Internetzugangsmarkt seien nicht ausreichend, sagte Böge in dem Zeitungs-Interview.

Andere Käufer

Sollte es zu keiner Einigung mit Libery Media kommen, gehe das Kartellamt davon aus, dass sich andere Käufer für die TV-Kabelnetze der Telekom finden würden. "Das muss nicht einer sein, der dann zwei Drittel des Netzes in seiner Hand hat", sagte der Kartellamts-Chef. Einen Großteil des Erlöses aus dem TV-Kabelverkauf will die Telekom auf die Tilgung von Schulden verwenden. Da dieser bereits eingeplant sei, werde die Telekom daher bei einem eventuellen Verkauf des Kabelgeschäfts an andere keinen niedrigeren Preis akzeptieren, hatte Telekom-Chef Ron Sommer Anfang Dezember gesagt. (APA/Reuters)

Share if you care.