Brite wegen Mordversuchs in Klagenfurt vor Gericht

3. Februar 2002, 14:53
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Betroffener hält sich für Jesus Christus - Pensionisten grundlos niedergestochen - Einweisung in Anstalt beantragt

Klagenfurt - Wegen Mordversuchs mit Tötungsvorsatz muss sich kommenden Dienstag am Landesgericht Klagenfurt ein 26-jähriger englischer Staatsbürger verantworten. Er hatte Anfang Juni vorigen Jahres einem deutschen Kärntenurlauber mit einem Messer ins Herz gestochen. Da der Täter, der sich für Jesus Christus hält, laut Gutachten geisteskrank ist, wird der Antrag auf Einweisung in eine geschlossene Anstalt ein Fall fürs Geschworenengericht.

Auf einem Campingplatz in Auen, in der Wörther-See-Gemeinde Schiefling, kam es zu dramatischen Szenen. Der Engländer versuchte zuerst, vom Campingbus eines deutschen Pensionisten-Ehepaares aus München ein Fahrrad zu stehlen. Als das Ehepaar ihn entdeckte, bat der Unbekannte um Essen und Wasser, was er auch erhielt. Als die Frau duschen ging, rammte der Engländer dem Mann wortlos ein Messer ins Herz. Daraufhin floh der Täter schwimmend auf die andere Seite des Wörthersees.

Der Pensionist überlebte durch eine Notoperation am LKH Klagenfurt, leidet aber nach wie vor an den Folgen der Tat. Bei der Festnahme gab der Engländer an, sein Name sei Jesus Christus. Vor dem Untersuchungsrichter gab er schließlich zu, über die abweisende Haltung des Pensionisten verärgert gewesen zu sein. Der psychiatrische Gutachter Max Neumann attestierte dem Briten paranoide Schizophrenie. "Daher konnte er zum Tatzeitpunkt sein Unrecht nicht erkennen", hält der Arzt in seinem Gutachten fest. Sein Aggressionspotential zeigte der 26-jährige aber auch in Haft in der Justizvollzugsanstalt Göllersdorf, indem er einen Mithäftling anfiel und diesen mit Fäusten und Füßen traktierte.

Staatsanwalt Gottfried Kranz kennt die Geschichte des Täters: Der in Südafrika geborene, britische Staatsbürger soll bereits im Alter von 16 oder 17 Jahren wegen Suchtgiftdelikten verurteilt worden sein. Von England aus wanderte er durch Europa und besuchte mehrmals Israel. Zwei Mal war er in psychiatrischen Kliniken in seiner Heimat aufhältig. In Southampton "predigte" er auf offener Straße und verletzte einen Passanten, der ihm nicht zuhören wollte. Ein einschreitender Polizist erlitt einen Nasenbeinbruch. Im Mai des Vorjahres kam der Engländer nach Kärnten, arbeitete zehn Tage als Küchenhilfe in einem Veldener Seehotel, bis er verschwand und die Tat beging.

Der Prozess unter Vorsitz von Richter Manfred Herrnhofer beginnt am Dienstag um 9.00 Uhr im Verhandlungssaal 29 des Klagenfurter Landesgerichtes. Der Münchner Pensionist wird nicht in den Zeugenstand treten. "Ich habe seit dem Vorfall Angst, traue mich kaum auf die Straße", gibt er als Grund an. (APA)

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