Reich-Ranicki: "Es gibt Schriftsteller, die meinen Tod herbeisehnen"

3. Februar 2002, 14:47
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Der Literaturkritiker über von ihm zerrissene Literaten: "Die waren alle schlecht"

Berlin - Deutschlands gefürchtetster Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki kann sich vorstellen, dass ihm viele Autoren das Schlimmste wünschen: Er sei sicher, "dass es Schriftsteller gibt, die den Tag meines Todes herbeisehnen - nämlich alle die, die glauben, ich hätte ihre Karriere beendet", sagte der 81-Jährige der "Bild am Sonntag". Letzteres sei "Quatsch": "Die waren einfach schlecht." Als einzigen Schriftsteller, mit dem er befreundet sei, nannte er Siegfried Lenz. Von ihm habe er noch nie ein Buch kritisiert.

Auf die Frage, ob er Feindschaften genieße, antwortete Reich-Ranicki: "Wenn ich harmoniesüchtig wäre, hätte ich mir einen anderen Beruf aussuchen müssen, vielleicht Lektor." Am kommenden Dienstag startet der 81-Jährige, der mit dem "Literarischen Quartett" große Popularität erlangte, seine neue Sendereihe "Reich-Ranicki Solo".

Im Interview mit der "Bild am Sonntag" bekannte der Kritiker, dass er "überhaupt nicht religiös" sei. Das letzte Mal sei er mit 14 in einem Gottesdienst gewesen. Für eine mögliche Verfilmung seiner Autobiografie "Mein Leben" könnte er sich als Regisseure Volker Schlöndorff oder Steven Spielberg vorstellen. Über Mario Adorf als möglichen Reich-Ranicki-Darsteller werde er "nachdenken". (APA)

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